Warum wir Upcycling brauchen

Warum wir Upcycling brauchen

Auszug aus dem lesenswerten Artikel “Heilmittel in entfremdeten Zeiten. Wie Handwerk und Upcycling unser Leben verändern.” von Dr. Alexandra Hildebrandt – erschienen auf THE HUFFINGTON POST, am 16. April 2014.

…”Das betrifft auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Recycling (Rückführung), bei dem ein Stoff ohne neuen Rohstoffeinsatz und ohne einen hohen Energieeinsatz wieder genau zu dem Stoff wird, der er früher war. Dass dies keine nachhaltige Lösung ist, ist in Wirtschaft und Wissenschaft hinlänglich bekannt. Beim Recycling dominieren Downcycling-Prozesse – echtes Upcycling findet also kaum statt. In diesem Kreislauf dient der „Abfall” des einen Produkts als Rohstoff für das nächste völlig neue und höherwertigere Produkt. Der Begriff „Upcycling” wurde angeblich 1994 vom Ingenieur Reiner Pilz verwendet, der gesagt haben soll: „Recycling? Ich nenne es Down-cycling. Sie schlagen Steine kaputt, sie schlagen alles kaputt. Was wir brauchen, ist Up-cycling, bei dem alte Produkte einen höheren Wert erhalten, keinen geringeren.” (Wikipedia)

Nachhaltig in Mode

Inzwischen gibt es vollständig kompostierbare T-Shirts oder Teppiche, die am Ende seiner Einsatzzeit vom Hersteller zurückgenommen und neu verarbeitet werden, Outdoorjacken von Ecoalf, eine Brosche von OLDgOLD, Taschen von Freitag, eine Karaffe von Tord Boontje, ein Hocker von Khmissa. Vor allem Designer sind herausgefordert, auch ansprechend aussehende Produkte zu entwerfen, denn Wiederverwertung und ökologische Korrektheit reichen heute nicht mehr aus. Zudem braucht es einen entsprechenden Rahmen für die Präsentation wie die folgenden Beispiele zeigen. Anfang 2014 präsentierte hessnatur, der weltweit größte Anbieter für natürliche Mode und Vorreiter für ökologische und soziale Standards in der Textilproduktion, seine erste „Serial Upcycling Collection”.

Für die öffentliche Premiere ausgezeichneter Entwürfe des Masterstudienganges „Sustainability in Fashion” an der Berliner Kunsthochschule ESMOD wählte das Unternehmen die Salonshow im Greenshowroom während der Berlin Fashion Week aus. Außerdem prämierte die fünfköpfige Fachjury drei Abschlussarbeiten. Anita Heiberg, Sanne Lundblad und Ralf Schuchmann, Absolventen des abgelaufenen Jahrganges „Sustainability in Fashion”, überzeugten am meisten mit ihren Kreationen, die aus bestehenden Kleidungsstücken vergangener Kollektionen designt wurden. Die Entwürfe setzen modische Akzente, sind tragbar und sind mit Blick auf eine mögliche Serienproduktion konzipiert.

Den ersten Preis gewann die gebürtige Kanadierin Anita Heiberg mit einem gepatchten Trenchcoat. Damit hat sie nicht nur den Anspruch ihres Studienganges umgesetzt, sondern auch die Jury beeindruckt: „Mit viel Liebe zum Detail und einer raffinierten Schnittführung ist Anita Heiberg eine neue und sehr moderne Version des klassischen Trenchcoats gelungen”, sagt Jurymitglied Denise Rupp. Neben der Chefdesignerin von hessnatur waren in der fünfköpfigen Jury mit Rolf Heimann von hessnatur, Silvia Kadolsky und Prof. Friederike von Wedel-Parlow von der ESMOD sowie Kirsten Reinold von der Zeitschrift TextilWirtschaft vertreten. Seit Januar 2014 werden die Produkte in limitierter Edition im Online Shop des Unternehmens verkauft. Die Nachwuchsdesigner sind am Verkaufserlös ihrer Kreationen beteiligt. Mit solchen Projekten und Initiativen möchte die Modeschule und das Unternehmen Nachwuchsdesigner sensibilisieren, ihren Blick für die Bedingungen verantwortlicher Modeentwicklung zu schärfen: „Welche Stoffe dürfen eingesetzt werden, nach welchen Richtlinien darf gefärbt und ausgerüstet werden? Unter welchen Arbeitsbedingungen wird genäht, wie kann die Kollektion nachhaltig produziert werden?”

Das Sortiment von hessnatur bietet aber auch nachhaltig produzierte Schutzhüllen aus 100 Prozent reinem Wollfilz für Smartphones und Tablet-Computer an. Er ist aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) und entsteht aus Wollresten, die bei der Produktion von Pullovern und Kleidern anfallen. Für deren Weiterverwendung kooperiert das Unternehmen mit der Textil-Designerin Kerstin Jost-Eisenberg aus Kassel, die ein Verfahren entwickelt hat, aus wertvollen Konfektionsabfällen hochwertigen Wollfilz herzustellen. Mit ressourcenschonenden Produktionsverfahren, Faserkreisläufen und einem „zweiten” Leben für hochwertige Materialien beschäftigt sie sich seit Jahren. Die Produktion des Filzes ist auf ein Minimum an Prozessen und Logistik abgestimmt. Smartphone- und Tablet-Hüllen werden in Deutschland dort produziert, wo auch die Reste entstehen. Auf Chemie wird genauso verzichtet wie auf zusätzliche Färbungen. Zudem gibt es eine Flechttasche, kombiniert aus dem recycelten Filz und Leder. Dabei wird auf chromgegerbtes Leder verzichtet, da Chromsalze umweltbelastend und gesundheitlich bedenklich sind. Stattdessen wird das Leder für die Tasche mit einer Rhabarbermixtur gegerbt.

Im Bereich Produkt und Sortiment ist das Thema Upcycling auch für die memo AG von Bedeutung. So bietet der Versandhandel mit über 10.000 Produkten für Büro, Schule, Haushalt und Freizeit, die gezielt nach ökologischen und sozialen Kriterien ausgewählt sind, beispielsweise Schreibtisch-Ablageboxen an, die aus recycelten Getränkeflaschen hergestellt sind oder Produkte der Firma DRP-Direkt Recycelte Produkte. Hier werden aus alten Landkarten Briefumschläge und Versandtaschen gefertigt. Zudem führt das Unternehmen nicht nur Textilien der Marke memo, sondern auch von true balance oder Vaude. „Dass derartige Produkte nicht nur sauber sind (GOTS- und Fairtrade-zertifiziert), sondern auch fair im Preis (ein memo Bio-Baumwoll-T-Shirt kostet zwischen 10.- und 15.- €) macht dem Vorurteil den Garaus, dass diese Textilien nur etwas für Besser- oder Gutverdienende seien”, so Claudia Silber, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der memo AG.

Bei der nicht kommerziellen Initiative “Sustainable Business Angels” ist das Unternehmen Projektpartner. Sie unterstützt junge UnternehmerInnen während der ersten Jahre ihres Bestehens in Nachhaltigkeitsfragen. Dazu zählen die Überprüfung des Business Plans auf ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit und die Nutzung bestehender Management-Netzwerke. Die SBAs verfolgen bei ihrer Arbeit keine finanziellen Interessen. Peter Kowalsky (Gründer Bionade) und Jürgen Schmidt (Gründungsmitglied der memo AG) beraten und fördern als Business Angels auch Carina Bischof, Jonathan Leupert, Luise Barsch, und Arianna Nicoletti, die im Mai 2010 „aluc – UPCYCLING FASHION AUS BERLIN”, eine Marke der Bischof und Leupert GbR, gegründet haben. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, aus Reststoffen, die ansonsten als Industrieabfälle entsorgt würden, hochwertige Mode herzustellen. Auslöser der Gründungsidee war die Frage: „Ist es wirklich sinnvoll, neue Stoffe herzustellen, solange riesige Mengen an Abfall aus der Textilindustrie jeden Tag auf der Müllkippe landen oder verbrannt werden? Für uns stellen bereits kleinste Stoffmengen eine Möglichkeit dar, Originelles und Einzigartiges zu kreieren. Eine faire Produktion bildet das Fundament unseres Konzeptes.” Verwendet werden vorrangig sogenannte „pre-consumer waste”, also Stoffreste und Verschnitt, der vor der Produktion entsteht. Daraus werden Hemden, Blusen und Oberteile gefertigt. Die Stoffreste, die während der Produktion anfallen, werden zusammen mit Second-Hand-Bekleidung zu Accessoires verarbeitet.

Seit 2010 arbeitet Aluc mit den Harz-Weser-Werkstätten in Osterode (Harz) zusammen. In dieser Behindertenwerkstatt wird ein Großteil der Hemden und Blusen genäht. Damit wird eine soziale Einrichtung in der Region unterstützt, die behinderten Menschen eine Chance auf Arbeit gibt und deren Selbstwertgefühl stärkt. Im Upcycling Fashion Store gibt es den monatlichen „Strich- und Faden Modestammtisch”, der Designer und junge Start-Up- Unternehmen verbindet und motiviert, nachhaltiger zu produzieren. Zudem unterstützt das Unternehmen bei der Organisation des „Fashion Revolution Day “: Hier stellen Designer, Einzelhändler, Produkthersteller und Interessierte nachhaltige Produktionsverfahren vor und sprechen mit Interessierten über die Bedeutung der Frage, woher die Kleidung kommt.

Hemden, Blusen und Blusenkleider von Aluc werden mit einem abnehmbaren Kragen gefertigt. Dieser kann einerseits als Designelement angesehen werden, andererseits hat er auch einen funktionalen Zweck. Ist der Kragen ausgetragen, wird er ausgetauscht, und es muss nicht gleich das ganze Hemd entsorgt werden Die meisten der Kreationen, die im eigenen Upcycling Fashion Store vertrieben werden, sind Einzelstücke oder Kleinserien. „Wir folgen dem Slow Fashion Prinzip, d.h. dass die Serien limitiert sind und meist länger als eine Saison getragen werden können”, so die Gründer in einer Pressemitteilung.

Auch den Fußball hat Upcycling inzwischen erreicht: Als erster Fußballverein in Deutschland ist der VfL Wolfsburg eine Designkooperation eingegangen, in deren Vordergrund das Thema Nachhaltigkeit stehen soll. Unter dem Titel „Wolf’s Up” hat der Bundesligist eine aus Trikots und Restbeständen recycelte Mode-Kollektion für Fans entworfen. Gemeinsam mit der Berliner Designerin Susanne Wagner (Label „Frau Wagner”) entstand eine Merchandising-Kollektion, mit der der VfL Wolfsburg seine Fans im Rahmen der Initiative „Gemeinsam bewegen” noch stärker für nachhaltige Themen sensibilisieren möchte. „Es ist eine Aktion mit Symbolcharakter, mit der der VfL Wolfsburg zum Nachdenken anregen möchte. In diesem speziellen Fall haben wir Nachhaltigkeit auf kreative Weise anfassbar und erlebbar gemacht”, sagte VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann. Einige der Unikate wie Mützen oder Schals hat die Modedesignerin ausschließlich aus alten Trikots zusammengesetzt, andere mit einem zusätzlichen Stoffeinsatz in Form von Öko-Baumwolle versehen – wie das Shirt für Männer und Frauen. Spielerinnen des Frauen-Triple-Siegers des VfL Wolfsburg sowie Bundesligaprofi Naldo sind Testimonials. Der VfL präsentierte die Kollektion erstmals im Rahmen des Champions League-Heimspiels der VfL-Frauen gegen den FC Barcelona am 23. März 2014.

Wie wahres Upcycling zur Vervollkommnung unseres Lebensstils beiträgt

Die Wiederverwertung hat allerdings auch Grenzen, die dann erreicht sind, wenn das Material durch seinen nicht mehr bestimmungsgemäßen Gebrauch zum Gesundheitsrisiko wird. So können LKW-Planen aus PVC auch dann noch „Weichmacher” abgeben, wenn die Taschen bereits verarbeitet sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zur Vorsicht, wenn für den Außenbereich produzierte Materialien in größeren Mengen in Innenräumen verwendet werden, weil sich daraus Schadstoffe lösen könnten.

Michael Braungart, Professor für Chemische Verfahrenstechnik und Geschäftsführer der Umweltschutzagentur EPEA, ist mit der undifferenzierten Verwendung des Begriffes Upcycling nicht einverstanden: “Die Landschaft zur Deponie zu machen, indem ich Müll irgendwo anders hindrapiere, hat mit Upcycling nichts zu tun. Wenn ich das Falsche perfekt mache, wird es nur perfekt falsch.” (Berliner Zeitung, 29.12.2010) Upcycling bedeutet für ihn, dass das Produkt von Anfang an so gestaltet wird, dass es später in einer höheren Qualität wieder eingesetzt werden kann. Es geht in seinem Ansatz vielmehr darum, den Verschleiß wie bei Schuhsohlen, Bremsbelägen, Autoreifen oder Waschmittel so zu gestalten, dass er für die Biosphäre „nützlich” ist: „Nehmen Sie beispielsweise einen Kassenbon oder ein Parkticket – Produkte, die Sie täglich anfassen. Nur: Sie sind nicht für den Hautkontakt gemacht. Nicht einmal der Euro ist für den Hautkontakt wirklich geeignet, er gibt 200 Mal mehr Nickel ab als es legal in jedem anderen Produkt möglich wäre. Das gleiche gilt sogar für Toilettenpapier.” (LahnDill Wirtschaft 02/2014) Die nächste Nutzung muss immer eine höherwertigere sein als die vorhergegangene. Das ist für ihn wahres Upcycling, das zur Vervollkommnung unseres Lebensstils beiträgt. Dabei soll die Intelligenz, die in einem Produkt steckt, in der nächsten Verwertungsstufe mindestens erhalten bleiben oder sich erhöhen.

Dazu ein Beispiel (ebd.): „Nehmen Sie eine Wasserflasche aus Kunststoff, also aus PET. Der Kunststoff enthält das Schwermetall Antimon, das als stark krebserregend gilt. Die Coca-Cola in diesen Flaschen enthält deutlich mehr Antimon als unser Trinkwasser. Beim Recycling aber lässt sich das Antimon auswaschen. Die nächste Generation der PET-Flaschen ist höherwertiger. Ich nenne das “Upcycling”. Das Produkt gewinnt an Wert.” Wenn aus einer PET-Flasche eine Fleece-Jacke gemacht wird, ist das für ihn kein Upcycling: „Aus der Materialperspektive verlässt dieser Kunststoff den Nahrungsmittelbereich. Plastik, das vielleicht Antimon enthält, kommt nun mit menschlicher Haut in Kontakt, Farbstoffe, Fixier- und Spülmittel kommen hinzu.” Erhält die Fleece-Jacke zudem einen Reißverschluss aus Nylon und Druckknöpfe aus Metall, kann das Material kaum noch recycelt werden, denn es ist mit diesen oder anderen Dingen „kontaminiert”. Vielmehr könnte der saubere Fleece mit Polyester-Knöpfen ausgestattet und mit Polyester-Fäden bestickt und zusammengenäht werden, „was dann ein Recyceln als Monomaterial möglich machen könnte.” Er ist davon überzeugt, dass sich Upcycling rechnet – allein schon, weil auf das das teure Abfallmanagement verzichtet werden kann.

Sein aktuelles Buch „Intelligente Verschwendung. The Upcycle: Auf dem Weg in eine neue Überflussgesellschaft” (mit William McDonough, 2013) entwirft das Big Picture, auch wenn wir im Kleinen handeln müssen. Viele Ansätze sind noch nicht perfekt, und der Begriff Upcycling verliert zuweilen an Kontur – doch was bleibt und alle verbindet, ist der Wunsch, etwas zu hinterlassen, das besser ist als das, was vorgefunden wurde. Wer repariert oder upcycelt, bewahrt Erinnerungen, baut sie um, schafft Sinn und trägt mit seiner handwerklichen Intelligenz zu einer begreifbaren Welt bei.”

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/heilmittel-in-entfremdete_b_5144833.html

 

Aus Alt mach Neu

Das Care Magazin hat in ihrer Februar/März 2014 Ausgabe das Schwerpunkt-Thema “Upcycling” gewählt. Flott geschrieben, gibt das Care Magazin aus Hamburg Einblick in die deutsche Upcycling Szene. Mit dabei: Redesign-Hamburg, kimidori, Lockengelöt und nobrands.

Viel Spass beim Lesen.

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Das Magazin ist unter www.care-energy-online.de kostenfrei abrufbar.

Wunderwerke – Kreative Upcycling Ideen für alle

UPCYCLING mit WUNDERWERKE – DAHINTER STECKT IMMER EINE GUTE IDEE! Unter diesem Motto betreiben Dr. Katja Doubek und Connie Grüter ihr Projekt Wunderwerke. Dabei versteht sich Wunderwerke als  virtuelle UPCYCLING WERKSTATT mit reellem Hintergrund. Für alle Upcycler, DoItYourself-ler, Gestalter, Bastler und Tüfter hat Wunderwerke den ersten Band “Papier, Pappe, Karton” herausgebracht.

Hier geht es direkt zur Leseprobe:

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Das Buch zeigt kreative Upcycling Ideen – konkret 40 Anleitungen mit mehr als 300 farbigen Bildern. Die Macher von Wunderwerke zeigen, wie jeder Alt in Neu verwandeln kann. Dazu Katja Doubek: “Wir leben UPCYCLING privat und beruflich, gedanklich und praktisch. Wir betrachten annähernd jedes Material als Rohstoff, den man mit Kreativität und dem entsprechenden Können umwidmen/ umgestalten kann. Müll war gestern – heute ist UPCYCLING mit WUNDERWERKE.”

Mehr Informationen zu Wunderwerke

Premium Upcycling – ein Lifestyle wird zum Trend

Upcycling, Downcycling, Trashcycling, Recycling oder gar Re-Design und Re-Use – die Begriffe variieren, doch in der Sache geht es um Dasselbe: Der Begriff “Upcycling“ beschreibt einen Prozess, bei dem aus scheinbar wertlosen Abfallmaterialien mittels kreativem Prozess höherwertige Produkte entstehen. Im Gegensatz zu Recycling wird etwas komplett Neues geschaffen. So werden aus Herrenhosen schicke Damenjacken, aus alten Weinflaschen und historischen Bügeleisen werden einzigartige Lampen oder aus alten Wärmflaschen und Fußbällen werden kreative Taschen. Das heißt, aus nicht mehr benötigten Materialien zaubern Designer exklusive Produkte.

„Seit mehr als drei Jahren zeigen wir online Premium Upcycling Mode, Upcycling Schmuck, Upcycling Taschen, Upcycling Wohnaccessoires, Upcycling Leuchten und Upcycling Möbel – 100% Upcycling, 100% Lifestyle, 100% Premium Qualität“ berichtet Christoff Wiethoff, Geschäftsführer der nobrands GmbH aus Berlin.
upcycling certified„Als wir im Februar 2011 unser engagiertes Projekt der Öffentlichkeit vorstellten, haben wir noch getitelt: ’nobrands zeigt Recycling Trends’. Damals konnten sich nur die Wenigsten etwas unter dem Begriff ’Upcycling’ vorstellen“, erinnert sich Wiethoff. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz hat sich grundlegend geändert. Zu Beginn wurde Upcycling Visionär Wiethoff von allen Seiten belächelt – doch mittlerweise hat sich das Thema Upcycling zum Trend entwickelt und wird wahrgenommen – in Deutschland, Österreich, Schweiz, England, und in den USA.

Beim Upcycling geht es primär um Dinge des Täglichen Gebrauchs (Lifestyle), um Individualität (Unikate) und um Umweltverantwortung (Müllvermeidung). Doch dies ist Wiethoff nicht genug. „Upcycling Produkte müssen hochwertig verarbeitet sein – es geht um Premium Qualität, um Ästhetik und um Werte. Das ist der Anspruch, dem sich alle Upcycling Designer auf den Webseiten der nobrands GmbH stellen“, so Wiethoff.

 

Christoff Wiethoff beschäftigt sich seit 2006 mit dem Thema Upcycling. Sein Upcyclingblog berichtet seit 2010 über Wiederbelebtes – über Dinge, die mittels Upcycling ein neues, ein zweites, oder sogar ein drittes Leben erfahren. Die Upcycling Suchmaschine und Informationsplattform rund um Premium Upcycling (www.nobrands.de) ist seit über drei Jahren online.

Upcycling – das Markenzeichen des 21. Jahrhunderts

Recycling ist gut, Upcycling ist besser! Beim Upcycling wird Abfall als Material für die Schaffung neuer Produkte verwendet und im Gegensatz zu Recycling ist ein geringerer Energieaufwand nötig, um Neues zu schaffen. Wie das aussehen kann, zeigt die größte deutschsprachige Suchmaschine für Upcycling. Im Interview mit DAD-online spricht Christoff Wiethoff, Geschäftsführer von nobrands GmbH, über das Konzept des Portals und weitere spannende, nachhaltige Projekte.

Herr Wiethoff, wie ist die Idee zu nobrands.de entstanden?

Die Idee zu nobrands.de entstand bereits im Jahre 2006, als ich unterwegs in Afrika war. Im Sudan fiel mir auf, dass dort keinerlei Müll auf der Straße liegt, sondern alles wiederverwertet wurde. Zurück in Deutschland recherchierte ich, welche Alternativen es zur klassischen

Mülltrennung beziehungsweise zum Recycling gibt und stieß dann zum ersten Mal auf den Begriff „Upcycling”. Im Internet und im Buchhandel fand ich viele Anregungen zu den Themen Upcycling, Recycling, Green Business und Nachhaltigkeit. Als ich dann selbst bewusster einkaufen wollte, stellte ich fest, dass es zwar bereits die ersten Bio-Supermärkte gab – aber ich fand 2006 keine Möglichkeit, mich über Upcycling-Taschen, nachhaltige Mode oder „grüne“ Accessoires zu informieren – weder im Internet, noch im stationären Handel. Und so entstand die Idee zu nobrands: eine Produkt-Suchmaschine, die als vertikales Online-Portal der Orientierung und Evaluierung up-/re- cycelter Produkte dient. Der eigentliche Kaufprozess findet nicht auf nobrands.de, sondern auf der Internetseite des jeweiligen Anbieters statt.

Wie haben Sie Ihre Idee bei den Herstellern und Designern etabliert? Oder sind diese eher an Sie herangetreten?

nobrands.de ist Ende 2010 an den Start gegangen, dass heißt von der ersten Idee bis zur Umsetzung sind rund vier Jahre Zeit vergangen. Zu Beginn habe ich Unternehmen im In- und Ausland angesprochen, zum Beispiel Feuerwear aus Köln oder Ecoist aus Miami. Heute schlagen die Besucher der nobrands Plattform nachhaltige Unternehmen vor – und zwar über die „ich empfehle“- Box auf der Homepage. Nach interner Prüfung werden dann die Unternehmen seitens nobrands.de angeschrieben. Heute befinden sich knapp 500 Firmen bzw. Designer auf nobrands.

Wer nutzt nobrands.de?

Das Internetportal wird von eco-bewussten Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt. Aktuell kommen mehrere tausend Benutzer monatlich auf die Plattform. Pro Jahr kommen rund 200.000 Besucher auf die nobrands Plattform, um sich über Upcycling Brands und professionelle Upcycling Produkte zu informieren.

Ist nobrands.de ausschließlich für den Endverbraucher oder vielleicht auch für den stationären Handel interessant?

nobrands.de adressiert und informiert den umweltbewussten Endverbraucher. Auf der Plattform finden sich bereits auch die ersten Ladengeschäfte wie Reciclage in Alzenau, Das Zwischenstück in Berlin oder Tragware in Karlsruhe. Häufig ist es für Konsumenten wichtig, vor dem Kauf haptisch in Kontakt mit den Produkten zu kommen. Von daher ist der stationäre Handel auf nobrands.de willkommen!

Was planen Sie in Zukunft mit und für nobrands.de?

Geplant ist, dass bis Ende 2015 mehr als 6.000 Unternehmen und Designer auf nobrands.de vertreten sind und jährlich 1.000.000 Menschen die Online Plattform als Informationsmedium nutzen. Auf diesem Wege möchte nobrands den jungen und aufstrebenden Labels helfen, ökonomisch zu wachsen. Mein persönliches Ziel ist es, das Thema Upcycling im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen. Upcycling Produkte reflektieren zwei wichtige Trends unserer Zeit: Umweltverantwortung und Individualität. Dadurch, dass Upcycling aus Altprodukten entsteht, sind alle Stücke einzigartig und unterstreichen so die Individualität der Träger. Upcycling ist somit das Markenzeichen des 21. Jahrhundert. nobrands.de trägt auch dazu bei, dass täglich mehr und mehr Menschen auf Upcycling setzen. Daher betreibe ich neben dem nobrands Portal noch den Upcyclingbog sowie eine upcycling, trashcycling, recycling Gruppe auf Facebook.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg, Herr Wiethoff!

Herzlichen Glückwunsch zum Bundespreis eco-design, Ute Ketelhake.

Bundespreis eco-design Preis 2013 geht nach Springe in Niedersachsen
Preisträgerin ist Ute Ketelhake mit ihren kuscheligen Teppichen, den “Second Life Rugs” 

Das Bundesumweltministerium (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA) haben am Montagabend in Berlin zum zweiten Mal den Bundespreis Ecodesign vergeben. Für ihre “Second Life Rugs” wurde die Textildesignerin und Inhaberin der Manufaktur für opulente Designteppiche Ute Ketelhake mit dem Bundespreis in der Kategorie Produkt ausgezeichnet.

Mit dem Bundespreis Ecodesign zeichnet die Bundesregierung ökologisches Design aus. Prämiert werden innovative Produkte, Dienstleistungen und Konzepte, die sowohl ästhetisch als auch ökologisch überzeugen. Für die vier Wettbewerbskategorien Produkt, Service, Konzept und Nachwuchs gab es 200 Einreichungen. Innovationsgehalt, Gestaltungsqualität und Umwelteigenschaften stehen bei der Bewertung im Vordergrund. Auch Auswirkungen auf die Alltagskultur und das Verbraucherverhalten werden berücksichtigt. Dabei findet der gesamte Produktlebenszyklus von den Vorstufen der Produktion, über Produktion, Distribution und Nutzung bis hin zum End of Life Beachtung.

Ketelhake überzeugte die Jury mit modernem Einsatz handwerklicher Technik bei Ressourcen schonendem Umgang mit der Rohware. Aus den Händen der parlamentarischen Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser und des Präsidenten des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth empfing die Springerin ihren Preis. Nachhaltigkeit bedeutet nicht zwangsläufig Einschränkung und Verzicht” kommentiert die Designerin und ehemalige, langjährige Dozentin der Hochschule für Design und Medien in Hannover mit Blick auf ihre komfortablen Teppiche. “Wer einen Second Life Rug Teppich besitzt, braucht weder Bett noch Sofa”, ist die Designerin überzeugt und freut sich sehr über die Auszeichnung.

Second Life Rugs fertigt in vollständiger Handarbeit auf alten Webstühlen üppige Teppiche aus Wollmaterialabschnitten fair und ökologisch arbeitender Textilhersteller. Die Rohware wird gefilzt, so dass eine enorm ansprechende Haptik bei gleichzeitiger Schadstoff-Freiheit entsteht. “Weder Kinderfinger noch Tiere müssen für diese Teppiche leiden”, so Ketelhake, weil das einmal gewonnene Material ganz und gar verwertet wird und die Fertigung der Teppiche ausschließlich in Deutschland stattfindet. Dass dabei auch beschützende Werkstätten nach ihren Fähigkeiten beteiligt sind, unterstreicht den nachhaltigen Wert der Produkte.

Mehr Infos zu Second Life Rugs

Second life Rugs

Walter wurde ausgezeichnet

“Walter” von Feuerwear – die Umhängetasche aus gebrauchtem Feuerwehrschlauch erhält den diesjährigen Vegan Fashion Award von PETA Deutschland e.V. in der Kategorie „beste Herrentasche“. Erstmals wurde dieser Preis an Modeunternehmen und Designer verliehen, die mit tierfreundlichen, einfallsreichen Materialien und Herstellungsprozessen überzeugen können. Die Upcycling Umhängetasche “Walter” wird wie das gesamte Sortiment von Feuerwear aus gebrauchtem Feuerwehrschlauch hergestellt, der sonst als Abfall die Umwelt belasten würde. Upcycling zeigt, dass für individuelle Taschen aus robustem Material keine Tiere Leiden müssen.

Herzlichen Glückwunsch, und weiterhin viel Erfolg.
Mehr Infos: Feuerwear

Feuerwear Vegan Fashion Award

Feuerwear Walter

eBook „Nachhaltig schenken“ zum kostenfreien Download

Bei diesem neuen E-Book-Ratgeber handelt es sich um eine hilfreiche PDF-Broschüre mit vielen wertvollen Tipps, Checklisten, Experten-Interviews und Informationen rund um das Thema „sinnvoll und nachhaltig schenken“ – also für alle Menschen, die mit gutem Gewissen schenken wollen.

Zielsetzung des E-Books von Boost Internet ist es, das komplexe Thema Nachhaltigkeit der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und konkrete Tipps für Konsumenten zu geben. Denn obwohl mittlerweile zahlreiche gute Alternativen zu herkömmlichen Geschenken existieren, gibt es bislang keine übersichtlich aufbereiteten Informationen, welche die verschiedenen Möglichkeiten des sinnvollen und nachhaltigen Schenkens ansprechend zusammenfassen und leicht verständlich erklären. Viel Spass beim Lesen.

Hier geht es direkt zum Download:
http://www.erlebnisgeschenke.de/nachhaltig-schenken/

nachhaltig schenken

22 Tonnen weniger Müll durch Upcycling

Im vergangenen Jahr hat Feuerwear 40 Kilometer ausgemusterten Feuerwehrschlauch zu neuen, individuellen Taschen und Accessoires verarbeitet. Die handgefertigten Unikate sehen nicht nur gut aus, sondern schonen auch nachhaltig die Umwelt: insgesamt blieben der Umwelt so 22 Tonnen Müll erspart. 

Im Lager von Feuerwear in Köln warten sie auf ihren nächsten Einsatz: In den Regalen stapeln sich ausgemusterte Feuerwehrschläuche aus ganz Deutschland, die bereits jahrelang Leben gerettet haben und nun nicht mehr für den professionellen Einsatz bei der Feuerwehr geeignet sind. Seit 2005 verlängert Produktdesigner Martin Klüsener den Lebenszyklus des robusten Materials, das sonst in der Müllverbrennungsanlage landen würde.

„Im vergangenen Jahr haben wir ca. 40 Kilometer Schlauch aus ganz Deutschland zu über 40.000 Unikaten verarbeitet“, sagt Robert Klüsener, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Martin leitet. „Das sind 22 Tonnen weniger Müll, der verbrannt werden musste. Die Zahl ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass dabei die schweren Metallkupplungen an den Enden der Schläuche gar nicht berücksichtigt sind“, so Klüsener weiter.

Als einzigartige Tasche oder Accessoire mit individuellen Spuren aus unzähligen Einsätzen haben die nachhaltigen Feuerwear-Produkte noch viele Jahre vor sich. Mehr Infos unter: Feuerwear

 

Modetrend Upcycling

Von Daniel-C. Schmidt

Mode-Trend Upcycling: Schrott-à-Porter

“Willkommen in der Welt der Schrott-à-porter-Mode: Jedes Jahr landen tonnenweise Textilien im Müll, doch Designer haben das als Nische für sich entdeckt. Beim Upcycling werden neue Kleidungsstücke aus Abfallresten entworfen. Selbst ein Branchenriese macht mit.

Neue Farben, neue Stoffe, neue Schnitte – alle sechs Monate werden auf den Fashion Weeks neue Trends ausgerufen, die wenig später ihren Weg in den Einzelhandel finden. Dort räumen fleißige Mitarbeiter die Regale frei, und kurz zuvor noch als topmodern angepriesene Ware verwandelt sich damit in: Müll.

Textilverbände und Unternehmen halten sich bedeckt mit Auskünften über Abfallmengen. Sicher ist, dass bei der Produktion neuer Kollektionen Unmengen an Stoffresten und Verschnitten übrigbleiben. Auch modebewusste Bürger verhalten sich nicht gerade sparsam: Laut Statistischem Bundesamt sorgten deutsche Haushalte allein im Jahr 2010 für 100.000 Tonnen Textil- und Bekleidungabfall.Um der Wegwerfwelle entgegenzuwirken, etabliert sich in der Modewelt seit einiger Zeit eine Designnische mit dem simplen Credo: Neues entwerfen mit möglichst wenig Abfall. Manche designen ihre Stücke daher gleich aus Modemüll und veredeln diesen dabei. Beim sogenannten Upcycling entsteht so aus Abfall neue, höherwertige Kleidung.

Wer sich das Konzept ausgedacht hat? Unklar. Einen wichtigen Denkanstoß lieferte das Buch “Einfach intelligent produzieren” von Michael Braungart und William McDonough. Darin machen sich der Chemiker und der Architekt Gedanken über alternative Produktkreisläufe: Kaufen, benutzen, wegschmeißen – kann Design diesen Zyklus brechen? Ja! Sagen zumindest drei Upcycling-Designer aus Berlin, der Heimat der deutschen Fashion Week.

Der Reflex, das Zeug zu retten

Daniel Kroh sitzt vor seinem Laden und fischt eine Lucky Strike aus dem Softpack. Drinnen im Atelier hantiert ein Assistent mit Kreide und Schnittmustern. “Wir haben verlernt, Dinge wertzuschätzen”, sagt Kroh. “Stattdessen schmeißen wir weg.” Kroh schneidert aus ausrangierten Arbeitsuniformen moderne Herrenanzüge.

“Bei den Firmen für Arbeitskleidung entsteht ein Berg an Müll. Die Entsorgung ist nicht kostspielig, die Textilien haben einen guten Brennwert, also kommen sie weg. Mein Reflex ist, das Zeug zu retten. Mir ist es genauso wichtig, Wertstoffe vor der Vernichtung zu bewahren, wie schöne Teile zu entwerfen”, sagt der Mittdreißiger. Und wie er so dasitzt, mit schulterlangen Wuschelhaaren, in Turnschuhen, Jeans und verwaschenem T-Shirt, könnte man ihn für seinen eigenen Assistenten halten. Mode verleitet zum oberflächlichen Blick.

“Ich mache das jetzt seit sieben Jahren, und seit zwei Jahren entwickelt sich ein ziemlicher Hype”, sagt der Wahlberliner. “Aber wir erfinden das Rad nicht neu. Man muss ja nur in die Nachkriegszeit schauen, als man Kostüme aus Vorhängen gemacht hat. Irgendwann in den Neunzigern kam dann der Begriff Upcycling auf.”

Galt es früher nicht als sonderlich schick, umgenähte Textilien aufzutragen, kann man als Designer heute gutes Geld dafür verlangen. Kroh zieht ein Jackett aus seiner Kollektion über, genäht aus einer hellen Schweißeruniform, die Ärmel zieren dunkle Fleckchen vom Funkenflug, als hätte ihm jemand auf den Unterarm geascht. In so einem Stück stecken zehn Arbeitsstunden, der Preis liegt bei 400 Euro, dafür bekommt man dann ein Unikat, waschbar bei 60 Grad.

In die Öko-Ecke gepackt

Da sich Upcycling mit Nachhaltigkeit und knappen Ressourcen beschäftigt, haftet ihm etwas Biolatschiges an, kaum Fashion-Week-Glamour. “Ich werde immer wieder in die Öko-Ecke gepackt. Dabei steckt da viel mehr dahinter”, sagt Kroh. “Nur muss der Designaspekt noch besser herausgearbeitet werden.”

Vielleicht können ja die Leute hinter dem Label Schmidttakahashi erklären, wie das gehen könnte. Bei der letzten Fashion Week durften sie ihre nachhaltige Mode im edlen Rahmen präsentieren: im “Green Showroom” des Hotel Adlon.

Am Paul-Linke-Ufer in Berlin, zwischen Kreuzberg und Neukölln, haben Eugenie Schmidt und Mariko Takahashi ihr Hinterhausatelier. Die Designerinnen kennen sich von der Kunsthochschule. “Wir bekommen im Jahr etwa eintausend Teile gespendet”, sagt Takahashi. “Ich glaube, die Leute wollen, dass ihre Lieblingsstücke weiterleben.”

Die zwei stehen vor einer Regalwand, sechs Reihen bis zur Decke, darin Altkleider aller Art, gefaltet, sortiert nach Schnitt, Stoff und Farben. “Wir schauen, was uns gefällt, kombinieren, zerschneiden und fügen zu einer neuen Kollektion zusammen”, erklärt Schmidt. Jeder Spender bekommt einen persönlichen Code und kann damit auf der Website des Labels verfolgen, was aus seinem Stück geworden ist. Für die beiden erzählen Kleider Geschichten. “Wie bei altem Geschirr”, so Schmidt. Diese Inspiration habe anfangs im Vordergrund gestanden, erzählt Takahashi, nicht der Umweltaspekt.

In Zeiten von Energiewende und Bio-Essen hat es ein Thema wie Upcycling sicher leichter. Trotzdem: Hat das tatsächlich etwas mit Nachhaltigkeit zu tun? Oder ist es doch nur ein Modetrend für Individualisten?

“Das Design steht klar an erster Stelle. Aber die Leute wollen gute Geschichten hören”, sagt Christine Mayer. Eine Mischung aus Künstlern und Kreativen drängt sich in ihren Laden in Berlin-Mitte, Mayer stellt gerade ihre Herbst-/Winter-Kollektion vor. Es werden Häppchen gereicht, in der Ecke sitzt eine Musikerin an der Harfe. Die Designerin beschäftigt sich seit anderthalb Jahren mit Upcycling. Für ihre aktuelle Linie hat sie aus mehr als hundert Jahre alten Mehlsäcken Blazer und Sakkos geschneidert, aus Seesäcken der Bundeswehr Jacken und Mäntel genäht.

Geht der Schuss nach hinten los?

Ob Gürtel aus Fahrradreifen, Handtaschen aus Rettungswesten oder Anzüge aus Tischleruniformen – Geschichten liefert Upcycling-Mode zuhauf. Nur: Ist die Idee mainstreamtauglich? Macht sie die Industrie wirklich nachhaltiger? Oder bleibt sie, wie Bio-Baumwolle, nur eine von vielen Spielarten grüner Mode?

“Upcycling löst nur einen Teil des Problems. Es geht um ein anderes Wirtschaften, um industrielle Materialkreisläufe und unser aller Konsumverhalten”, sagt Susanne Schwarz-Raacke. Mit zwei Kolleginnen betreibt die Professorin an der Kunsthochschule Weißensee das Greenlab, wo Studenten nachhaltige Designstrategien entwickeln. “Heute werden Klamotten nur kurze Zeit getragen. Ein T-Shirt kostet fast nichts, man kann jeden Tag ein neues kaufen. Der Preis hat nichts mehr mit dem Warenwert zu tun.”

Glaubt sie an ein Umdenken in der Modeindustrie? “Momentan läuft Upcycling noch im kleinen Maßstab. Es ist häufig einfacher und preiswerter, neue Stoffe zu verwenden, als alte wiederzuverwenden. Die Logistik dafür muss erst einmal hergestellt werden, das kostet.”

Um das Thema zum großen Trend zu machen, müsste es wohl ein Branchenriese anpacken. Und siehe da, H&M scheint das Wiederverwerten für sich zu entdecken: Nachdem der Konzern in die Kritik geraten war, unverkaufte Stücke aus seiner Lanvin-Kollektion in New York weggeschmissen zu haben, kam Anfang 2011 eine “Waste Collection” aus Reststücken dieser Kollektion heraus. Im gleichen Jahr testete die schwedische Kette in der Schweiz ein Modell: Kunden konnten alte Stücke – egal, von welcher Marke – in den Filialen abgeben, um sie recyceln zu lassen. Als Dankeschön winkte ein Rabattgutschein pro Altkleidertüte.

Auch C&A experimentiert zaghaft in diese Richtung: “Eine Upcycling-Kollektion haben wir zwar noch nicht”, erklärt Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes, “aber wir beschäftigen uns mit dem Thema. Ökologie ist uns wichtig, aber sie muss einhergehen mit nachhaltiger Ökonomie. Wir können uns im Prinzip vorstellen, Upcycling in Zukunft zu nutzen.” Und wie bewertet man die H&M-Aktion, alte Kleider einzusammeln gegen Gutscheine? “Alle Aktivitäten, die dafür sorgen, dass brauchbare Textilien nicht auf dem Müll landen, sind zu befürworten. C&A führt zur Zeit einen ähnlichen Test in allen Filialen in den Niederlanden durch.”

Klingt vorbildlich. Sieht man von einem möglichen Denkfehler ab, auf den Susanne Schwarz-Raacke vom Greenlab hinweist. “Ein Schuss, der möglicherweise nach hinten losgeht. Ich kann alte Sachen abgeben, das gibt mir ein gutes Gefühl – kann aber gleich etwas Neues kaufen.” Nur dadurch, sagt die Professorin, werde der Wäscheberg leider eben nicht kleiner. ”

Quelle: Spiegel Online
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/trend-upcycling-neue-designer-mode-aus-stoffabfall-und-altkleidern-a-861351.html
Foto Credit: Billy und Hells