Alte Stühle mit Streifen aus Feuerwehrschlauch…

Mathias Zschaubitz aus Dresden war auf der Suche nach einem 2. Standbein. Es sollte Spass machen – und dann stieß Mathias auf das Thema Redesign/Upcycling. Nach Inspirationen aus dem Netz und eigenem Brainstorming entwickelte er die Idee, alte Stühle mit Streifen aus Feuerwehrschlauch zu beziehen. Und das Projekt “C-Schlauch” war gegründet

Die Stühle sind meist vom Trödel und bleiben im gebrauchten Zustand. Bei Bedarf leimt Mathias sie nach – manchmal werden die Stühle vollständig in ihre Einzelteile zerlegt und danach wieder unter fachmännischer Anleitung zusammengeleimt. Fehlstellen werden nachgebeizt und mit Holzöl aufgefrischt. Man erkennt noch die vorhandenen Gebrauchsspuren, aber die Stühle sehen trotzdem edel aus. Das Schlauchmaterial besorgt er sich bei der Schlauchwerkstatt der Feuerwehr, die es sonst entsorgen würde. Somit sind die Stühle voll “verschlaucht”. Durch das Schneiden der Feuerwehrschläuche in unterschiedlichen Breiten  sowie durch die Verwendung von Außen- und Innenseiten ergeben sich schon mal die Farben Rot, Beige und Schwarz. Dank verschiedener Flechtvarianten entstehen so immer wieder echte Unikate.

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22 Tonnen weniger Müll durch Upcycling

Im vergangenen Jahr hat Feuerwear 40 Kilometer ausgemusterten Feuerwehrschlauch zu neuen, individuellen Taschen und Accessoires verarbeitet. Die handgefertigten Unikate sehen nicht nur gut aus, sondern schonen auch nachhaltig die Umwelt: insgesamt blieben der Umwelt so 22 Tonnen Müll erspart. 

Im Lager von Feuerwear in Köln warten sie auf ihren nächsten Einsatz: In den Regalen stapeln sich ausgemusterte Feuerwehrschläuche aus ganz Deutschland, die bereits jahrelang Leben gerettet haben und nun nicht mehr für den professionellen Einsatz bei der Feuerwehr geeignet sind. Seit 2005 verlängert Produktdesigner Martin Klüsener den Lebenszyklus des robusten Materials, das sonst in der Müllverbrennungsanlage landen würde.

„Im vergangenen Jahr haben wir ca. 40 Kilometer Schlauch aus ganz Deutschland zu über 40.000 Unikaten verarbeitet“, sagt Robert Klüsener, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Martin leitet. „Das sind 22 Tonnen weniger Müll, der verbrannt werden musste. Die Zahl ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass dabei die schweren Metallkupplungen an den Enden der Schläuche gar nicht berücksichtigt sind“, so Klüsener weiter.

Als einzigartige Tasche oder Accessoire mit individuellen Spuren aus unzähligen Einsätzen haben die nachhaltigen Feuerwear-Produkte noch viele Jahre vor sich. Mehr Infos unter: Feuerwear

 

Interview mit Robert Klüsener (Feuerwear):

Was war Ihre Motivation, auf Nachhaltigkeit zu setzen?
Die Idee kam mir bereits während des Studiums. Ich wollte nachhaltige Mode mit einem hohen Anspruch an Design und Qualität schaffen. Mein Ziel war es dabei zu beweisen, dass umweltbewusste Modeprodukte nicht immer was mit Jesus-Latschen zu tun haben müssen, sondern auch stylisch sein können.

Welche Schwierigkeiten treten aus Ihrer Sicht im öko-sozialen Business auf?
Ökologische und/oder sozial-verträgliche Herstellung alleine reichen heute nicht als Verkaufsargument aus. Das Produkt muss sofern es sich um eine Mode- oder Lifestyle-Produkt handelt in erster Hinsicht gefallen. Das heisst öko-soziale Hersteller sollten in erster Linie Produkte kreieren, die die Menschen kaufen wollen und nicht Produkte, die die Menschen kaufen sollen. Aus meiner Sicht ist das öko-soziale Business in Deutschland zu kopflastig, dogmatisch und belehrend. Das weckt bei vielen Konsumenten eher negative Gefühle. Ökologischer Konsum muss freiwillig sein und Spass machen!

Was tun Sie privat, um das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben?
Privat achte ich vor allem beim Einkauf und beim Energieverbrauch auf Nachhaltigkeit.

iPad Tasche aus Kaffeesack

Das englische Label Elvis & Kresse fokussiert seit 2007 auf das Thema Recycling / Upcycling. Besonders angetan sind die Designer James Henrit und Kresse Wesling von den Feuerwehrschläuchen der London Fire Brigade. Heute sammelt Elvis & Kresse in ganz Großbritanien gebrauchte Feuerwehrschläuche für ihre Produkte zusammen. Seit kurzem beschäftigt sich das Upcycling-Unternehmens mit dem Kaffeesack-Projekt: Es sammelt Kaffeesäcke von Costa Coffee, Matthew Algie, Bettys and Taylors, Union Hand Roasted Coffee und Drury Tea & Coffee und fertigt hieraus Taschen für iPhone, iPad (Foto) und MacBooks.

Die verwendeten Feuerwehrschläuche haben häufig bereits 25 Jahre Einsatz hintersich, wenn sie in die Produktion von Elvis & Kresse kommen. Auch gebrauchte Kaffee- und Teesäcke werden hier wiederbelebt ebenso wie zerfetzte Segelkleidung und Stoff von ausgemusterten Fallschirmen. Selbstverständlich ist auch die Verpackung auf wiederverwendeten Material, u.a. aus alten Schuhkartons. 50% des Gewinns von Elvis & Kresse an die Fire Fighters Charity.

Fotonachweis: www.elvisandkresse.com