Interview mit Gayle C. Baker

Was war Ihre Motivation, auf Nachhaltigkeit zu setzen?

Als ich in die Schmuckindustrie einstieg, durfte ich in einem wirklich schönen Laden arbeiten. Dieser war schick, modern und schön. Dann las ich welche Zerstörung der Bergbau zwecks Gewinnung der Edelmetalle auf die Umwelt, auf die Tierwelt und auf die einheimische Bevölkerung verursacht. Es macht mich betroffen, dass die Schönheit des Schmucks aus der Zerstörung entsteht – hier wollte ich etwas zum Guten verändern.

 

Welche Schwierigkeiten treten aus Ihrer Sicht im öko-sozialen Business auf? 

Am Anfang war es schwierig, Zulieferer zu finden, die verstanden, was ich erreichen wollte. Jetzt leide ich unter Wettbewerbern, die sich grün und eco geben, ohne es zu sein. Deren Eco-Produkte sind häufig weit von der Wahrheit entfernt bzw. halten nur teilweise, was sie versprechen. Solange es keine verbindlichen Eco-Regularien und Kriterien gibt, hat der umweltbewusste Verbraucher keine Anhaltspunkte, wirklich umweltverträglichen Schmuck zu kaufen.

 

Was tun Sie privat, um das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben?

Ich versuche, meinen persönlichen Carbon-Footprint (Kohlenstoff-Fußabdruck) zu reduzieren. Wenn möglich, kaufe ich statt neuer Waren, gebrauchte oder recycelte Produkte – ich denke, alleine das hilft schon. Auch suche ich gezielt nach Produkten, die in Ländern gefertigt wurden, die überprüfbaren, ökologischen Anforderungen genügen. Ich denke, viele kleine Dinge können sich zu einer grossen Wirkung entwickeln – beispielsweise ein kleineres, sparsames Auto zu benutzen oder die Wäsche an der Luft zu trocknen. Auch unterstütze ich andere Unternehmen, die ebenfalls strategisch auf Recycling setzen. Und natürlich recycele ich alles mögliche.

 

Interview mit Christina Schelhorn vom Hamburger Label redesign

Was war Ihre Motivation, auf Nachhaltigkeit zu setzen?
Ich liebe Mode und hatte aber immer ein schlechtes Gefühl, Kleider zu tragen, die von miserabel bezahlten Arbeitern in Asien hergestellt werden und für die Unmengen von Trinkwasser zur Herstellung verbraucht werden.

Welche Schwierigkeiten treten aus Ihrer Sicht im öko-sozialen Business auf?
In Deutschland zu produzieren, ist teuer und unrentabel, die Ladenmieten sind zu hoch und die Kunden wissen bez. sehen nicht, warum fair produzierte Kleidungsstücke teurer sein müssen. Die “Geiz ist geil” Mentalität hat sich in allen Kreisen ausgebreitet und die meisten kaufen lieber viel und billig anstatt teurer und qualitätsbewusst bez. einzigartig.
Um mit den wenigen bewusst nachhaltig orientierten Kunden durchzuhalten, braucht man einen langen Atem, vor allem in finanzieller Hinsicht.

Was tun Sie privat, um das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben?
Für mich ist es ein Hobby, das mir übrigens unheimlich Spaß macht, alle möglichen Bereiche aufzuspüren, in denen man sich nachhaltig verhalten kann. Und ich bin bisher auf keinen Bereich gestoßen, bei dem ich leiden muss, weil ich die Umwelt schone, im Gegenteil, ich entdecke dabei immer wieder: the best things are’nt things.

Hier einige Beispiele, die mir so einfallen: Ich esse (seit 20 Jahren) kein Fleisch, genieße also eine gesunde vegetarische Küche.

Ich fliege nicht, entdecke wunderbare Flecken in Deutschland ohne lange Anreise und Reisefieber.

Ich spare Geld, indem ich bei jedem Euro, den ich ausgebe überlege, ob das Produkt nötig ist und ob es nachhaltig produziert wurde.

Ich zahle schon lange kein Geld mehr für Atomstrom.

Ich bin froh, dass kein Tier leiden muss, weil ich Naturkosmetik benutze.

Ich habe keine Haustiere, die ich mit Dosen- oder Tockenfleisch füttern muss. (keine Haustiere zu haben, ist das tierfreundlichste Verhalten überhaupt).

Mein Konto habe ich bei einer Bank, die nur in ökologisch und sozialverträgliche Projekte investiert.

Ich habe ein ökologisch gedämmtes Haus, was mir eine Menge Heizkosten einspart.

Und last not least: Ich spreche alle darauf an, die das Nachhaltigkeitshobby noch nicht so verinnerlicht haben und frage sie z.B. wie sie den Flug ausgleichen, den sie mal wieder machen müssen, weil sie das Wetter hier fertig macht. Dies macht einen zwar nicht immer beliebter, aber trotzdem zufriedener.

Fotonachweis: www.redesign-hamburg.de