Second Hand & Upcycling Markt in Berlin (6+7.12.2014)

Aufwerten statt wegwerfen – so heisst eine Aktion der europäischen Woche zur Abfallvermeidung

Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht.“ – doch allein in Deutschland entsteht jedes Jahr ein gigantischer Müllberg von 44 Millionen Tonnen. Und er wächst von Jahr zu Jahr weiter an, trotz zahlloser Versuche, den Müll zu vermeiden. Kreative Wege zur Reduzierung des Abfalls liegen im Upcycling.

Der Second Hand & Upcycling Markt steigt am zweiten Adventwochenende in der Galeria Kaufhof am Ostbahnhof. Der Markt ist Teil der diesjährigen Europäischen Woche zur Abfallvermeidung.

Über 80 Aussteller präsentieren beim Second Hand & Upcycling Markt in der Galeria Kaufhof am Ostbahnhof eine wilde Mischung aus Vintage, Kleidung, Wohnaccessoires, Kleinmöbel, Schmuck, Kunst und vielem mehr. Das Besondere daran: Alle Waren wurden auf die eine oder andere Weise schon einmal gebraucht und sind trotzdem wie neu.

Wann: Zweites Adventswochenende
Sonnabend, 6. Dezember 2014, 11 bis 20 Uhr
Sonntag, 7. Dezember 2014, 13 bis 18 Uhr
Wo: Galeria Kaufhof am Ostbahnhof, 4. Etage, Koppenstrasse 8 – 10243 Berlin
Eintritt: 3,50 Euro

Wer kennt es nicht? Sinnlose und überflüssige Geschenke, die man mit einem schiefen Lächeln entgegennimmt, die dann in dunklen Winkeln verstauben, bevor sie ein paar Monaten später im Müll verschwinden. Auch das Weihnachtsfest hat Anteil an den über 500 Kg Müll, die jeder Deutsche pro Jahr hinterlässt. Aber damit ist jetzt Schluss.

Die neue Bewegung heißt „Upcycling“. Dabei werden gebrauchte Gegenstände kreativ aufgewertet und neue Produkte entstehen. Kurz: Aus alt mach neu! Witzige Kleider aus alten Stoffen, modischer Schmuck aus benutzten Steinen und Metallen, neue Möbel aus Dielen- und Fensterholz – auf dem Second Hand & Upcycling Markt werden lauter kreative Geschenke angeboten. Und mehr noch: Wer dabei sein und mehr über die neuesten Trends einer nachhaltigen Lebensweise erfahren will, findet hier alle Infos – von Second Hand über Fair-Trade bis Repair.

Der Aussteller Holz und Kunz ist zum Beispiel mit Holzmöbeln vertreten. Die Arbeiten bestehen fast ausschließlich aus gebrauchten Holz-Gegenständen wie alte Dielen, Dachbalken, kaputten Möbeln etc. Aus diesen Materialien wird wieder ein neuer Tisch, ein neuer Stuhl oder neuer Schrank gefertigt. Ein Möbel eben, das nicht nur einen Zweck erfüllt und ästhetisch gefällt, sondern auch auf dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft basiert. Die Philosophie dahinter: Die Herstellung ist ökologisch wie auch ökonomisch sinnvoll. Die Rohstoffe bleiben über die Lebensdauer der Ware hinaus dem Produktionsprozess erhalten. Vorbild ist der Kreislauf der Natur, um möglichst ohne Abfälle (zero waste) und ohne Emissionen (zero emission) auszukommen.

Text: oldthing – Pröhm & Schrottmeyer GbR

Warum wir Upcycling brauchen

Warum wir Upcycling brauchen

Auszug aus dem lesenswerten Artikel “Heilmittel in entfremdeten Zeiten. Wie Handwerk und Upcycling unser Leben verändern.” von Dr. Alexandra Hildebrandt – erschienen auf THE HUFFINGTON POST, am 16. April 2014.

…”Das betrifft auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Recycling (Rückführung), bei dem ein Stoff ohne neuen Rohstoffeinsatz und ohne einen hohen Energieeinsatz wieder genau zu dem Stoff wird, der er früher war. Dass dies keine nachhaltige Lösung ist, ist in Wirtschaft und Wissenschaft hinlänglich bekannt. Beim Recycling dominieren Downcycling-Prozesse – echtes Upcycling findet also kaum statt. In diesem Kreislauf dient der „Abfall” des einen Produkts als Rohstoff für das nächste völlig neue und höherwertigere Produkt. Der Begriff „Upcycling” wurde angeblich 1994 vom Ingenieur Reiner Pilz verwendet, der gesagt haben soll: „Recycling? Ich nenne es Down-cycling. Sie schlagen Steine kaputt, sie schlagen alles kaputt. Was wir brauchen, ist Up-cycling, bei dem alte Produkte einen höheren Wert erhalten, keinen geringeren.” (Wikipedia)

Nachhaltig in Mode

Inzwischen gibt es vollständig kompostierbare T-Shirts oder Teppiche, die am Ende seiner Einsatzzeit vom Hersteller zurückgenommen und neu verarbeitet werden, Outdoorjacken von Ecoalf, eine Brosche von OLDgOLD, Taschen von Freitag, eine Karaffe von Tord Boontje, ein Hocker von Khmissa. Vor allem Designer sind herausgefordert, auch ansprechend aussehende Produkte zu entwerfen, denn Wiederverwertung und ökologische Korrektheit reichen heute nicht mehr aus. Zudem braucht es einen entsprechenden Rahmen für die Präsentation wie die folgenden Beispiele zeigen. Anfang 2014 präsentierte hessnatur, der weltweit größte Anbieter für natürliche Mode und Vorreiter für ökologische und soziale Standards in der Textilproduktion, seine erste „Serial Upcycling Collection”.

Für die öffentliche Premiere ausgezeichneter Entwürfe des Masterstudienganges „Sustainability in Fashion” an der Berliner Kunsthochschule ESMOD wählte das Unternehmen die Salonshow im Greenshowroom während der Berlin Fashion Week aus. Außerdem prämierte die fünfköpfige Fachjury drei Abschlussarbeiten. Anita Heiberg, Sanne Lundblad und Ralf Schuchmann, Absolventen des abgelaufenen Jahrganges „Sustainability in Fashion”, überzeugten am meisten mit ihren Kreationen, die aus bestehenden Kleidungsstücken vergangener Kollektionen designt wurden. Die Entwürfe setzen modische Akzente, sind tragbar und sind mit Blick auf eine mögliche Serienproduktion konzipiert.

Den ersten Preis gewann die gebürtige Kanadierin Anita Heiberg mit einem gepatchten Trenchcoat. Damit hat sie nicht nur den Anspruch ihres Studienganges umgesetzt, sondern auch die Jury beeindruckt: „Mit viel Liebe zum Detail und einer raffinierten Schnittführung ist Anita Heiberg eine neue und sehr moderne Version des klassischen Trenchcoats gelungen”, sagt Jurymitglied Denise Rupp. Neben der Chefdesignerin von hessnatur waren in der fünfköpfigen Jury mit Rolf Heimann von hessnatur, Silvia Kadolsky und Prof. Friederike von Wedel-Parlow von der ESMOD sowie Kirsten Reinold von der Zeitschrift TextilWirtschaft vertreten. Seit Januar 2014 werden die Produkte in limitierter Edition im Online Shop des Unternehmens verkauft. Die Nachwuchsdesigner sind am Verkaufserlös ihrer Kreationen beteiligt. Mit solchen Projekten und Initiativen möchte die Modeschule und das Unternehmen Nachwuchsdesigner sensibilisieren, ihren Blick für die Bedingungen verantwortlicher Modeentwicklung zu schärfen: „Welche Stoffe dürfen eingesetzt werden, nach welchen Richtlinien darf gefärbt und ausgerüstet werden? Unter welchen Arbeitsbedingungen wird genäht, wie kann die Kollektion nachhaltig produziert werden?”

Das Sortiment von hessnatur bietet aber auch nachhaltig produzierte Schutzhüllen aus 100 Prozent reinem Wollfilz für Smartphones und Tablet-Computer an. Er ist aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) und entsteht aus Wollresten, die bei der Produktion von Pullovern und Kleidern anfallen. Für deren Weiterverwendung kooperiert das Unternehmen mit der Textil-Designerin Kerstin Jost-Eisenberg aus Kassel, die ein Verfahren entwickelt hat, aus wertvollen Konfektionsabfällen hochwertigen Wollfilz herzustellen. Mit ressourcenschonenden Produktionsverfahren, Faserkreisläufen und einem „zweiten” Leben für hochwertige Materialien beschäftigt sie sich seit Jahren. Die Produktion des Filzes ist auf ein Minimum an Prozessen und Logistik abgestimmt. Smartphone- und Tablet-Hüllen werden in Deutschland dort produziert, wo auch die Reste entstehen. Auf Chemie wird genauso verzichtet wie auf zusätzliche Färbungen. Zudem gibt es eine Flechttasche, kombiniert aus dem recycelten Filz und Leder. Dabei wird auf chromgegerbtes Leder verzichtet, da Chromsalze umweltbelastend und gesundheitlich bedenklich sind. Stattdessen wird das Leder für die Tasche mit einer Rhabarbermixtur gegerbt.

Im Bereich Produkt und Sortiment ist das Thema Upcycling auch für die memo AG von Bedeutung. So bietet der Versandhandel mit über 10.000 Produkten für Büro, Schule, Haushalt und Freizeit, die gezielt nach ökologischen und sozialen Kriterien ausgewählt sind, beispielsweise Schreibtisch-Ablageboxen an, die aus recycelten Getränkeflaschen hergestellt sind oder Produkte der Firma DRP-Direkt Recycelte Produkte. Hier werden aus alten Landkarten Briefumschläge und Versandtaschen gefertigt. Zudem führt das Unternehmen nicht nur Textilien der Marke memo, sondern auch von true balance oder Vaude. „Dass derartige Produkte nicht nur sauber sind (GOTS- und Fairtrade-zertifiziert), sondern auch fair im Preis (ein memo Bio-Baumwoll-T-Shirt kostet zwischen 10.- und 15.- €) macht dem Vorurteil den Garaus, dass diese Textilien nur etwas für Besser- oder Gutverdienende seien”, so Claudia Silber, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der memo AG.

Bei der nicht kommerziellen Initiative “Sustainable Business Angels” ist das Unternehmen Projektpartner. Sie unterstützt junge UnternehmerInnen während der ersten Jahre ihres Bestehens in Nachhaltigkeitsfragen. Dazu zählen die Überprüfung des Business Plans auf ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit und die Nutzung bestehender Management-Netzwerke. Die SBAs verfolgen bei ihrer Arbeit keine finanziellen Interessen. Peter Kowalsky (Gründer Bionade) und Jürgen Schmidt (Gründungsmitglied der memo AG) beraten und fördern als Business Angels auch Carina Bischof, Jonathan Leupert, Luise Barsch, und Arianna Nicoletti, die im Mai 2010 „aluc – UPCYCLING FASHION AUS BERLIN”, eine Marke der Bischof und Leupert GbR, gegründet haben. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, aus Reststoffen, die ansonsten als Industrieabfälle entsorgt würden, hochwertige Mode herzustellen. Auslöser der Gründungsidee war die Frage: „Ist es wirklich sinnvoll, neue Stoffe herzustellen, solange riesige Mengen an Abfall aus der Textilindustrie jeden Tag auf der Müllkippe landen oder verbrannt werden? Für uns stellen bereits kleinste Stoffmengen eine Möglichkeit dar, Originelles und Einzigartiges zu kreieren. Eine faire Produktion bildet das Fundament unseres Konzeptes.” Verwendet werden vorrangig sogenannte „pre-consumer waste”, also Stoffreste und Verschnitt, der vor der Produktion entsteht. Daraus werden Hemden, Blusen und Oberteile gefertigt. Die Stoffreste, die während der Produktion anfallen, werden zusammen mit Second-Hand-Bekleidung zu Accessoires verarbeitet.

Seit 2010 arbeitet Aluc mit den Harz-Weser-Werkstätten in Osterode (Harz) zusammen. In dieser Behindertenwerkstatt wird ein Großteil der Hemden und Blusen genäht. Damit wird eine soziale Einrichtung in der Region unterstützt, die behinderten Menschen eine Chance auf Arbeit gibt und deren Selbstwertgefühl stärkt. Im Upcycling Fashion Store gibt es den monatlichen „Strich- und Faden Modestammtisch”, der Designer und junge Start-Up- Unternehmen verbindet und motiviert, nachhaltiger zu produzieren. Zudem unterstützt das Unternehmen bei der Organisation des „Fashion Revolution Day “: Hier stellen Designer, Einzelhändler, Produkthersteller und Interessierte nachhaltige Produktionsverfahren vor und sprechen mit Interessierten über die Bedeutung der Frage, woher die Kleidung kommt.

Hemden, Blusen und Blusenkleider von Aluc werden mit einem abnehmbaren Kragen gefertigt. Dieser kann einerseits als Designelement angesehen werden, andererseits hat er auch einen funktionalen Zweck. Ist der Kragen ausgetragen, wird er ausgetauscht, und es muss nicht gleich das ganze Hemd entsorgt werden Die meisten der Kreationen, die im eigenen Upcycling Fashion Store vertrieben werden, sind Einzelstücke oder Kleinserien. „Wir folgen dem Slow Fashion Prinzip, d.h. dass die Serien limitiert sind und meist länger als eine Saison getragen werden können”, so die Gründer in einer Pressemitteilung.

Auch den Fußball hat Upcycling inzwischen erreicht: Als erster Fußballverein in Deutschland ist der VfL Wolfsburg eine Designkooperation eingegangen, in deren Vordergrund das Thema Nachhaltigkeit stehen soll. Unter dem Titel „Wolf’s Up” hat der Bundesligist eine aus Trikots und Restbeständen recycelte Mode-Kollektion für Fans entworfen. Gemeinsam mit der Berliner Designerin Susanne Wagner (Label „Frau Wagner”) entstand eine Merchandising-Kollektion, mit der der VfL Wolfsburg seine Fans im Rahmen der Initiative „Gemeinsam bewegen” noch stärker für nachhaltige Themen sensibilisieren möchte. „Es ist eine Aktion mit Symbolcharakter, mit der der VfL Wolfsburg zum Nachdenken anregen möchte. In diesem speziellen Fall haben wir Nachhaltigkeit auf kreative Weise anfassbar und erlebbar gemacht”, sagte VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann. Einige der Unikate wie Mützen oder Schals hat die Modedesignerin ausschließlich aus alten Trikots zusammengesetzt, andere mit einem zusätzlichen Stoffeinsatz in Form von Öko-Baumwolle versehen – wie das Shirt für Männer und Frauen. Spielerinnen des Frauen-Triple-Siegers des VfL Wolfsburg sowie Bundesligaprofi Naldo sind Testimonials. Der VfL präsentierte die Kollektion erstmals im Rahmen des Champions League-Heimspiels der VfL-Frauen gegen den FC Barcelona am 23. März 2014.

Wie wahres Upcycling zur Vervollkommnung unseres Lebensstils beiträgt

Die Wiederverwertung hat allerdings auch Grenzen, die dann erreicht sind, wenn das Material durch seinen nicht mehr bestimmungsgemäßen Gebrauch zum Gesundheitsrisiko wird. So können LKW-Planen aus PVC auch dann noch „Weichmacher” abgeben, wenn die Taschen bereits verarbeitet sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zur Vorsicht, wenn für den Außenbereich produzierte Materialien in größeren Mengen in Innenräumen verwendet werden, weil sich daraus Schadstoffe lösen könnten.

Michael Braungart, Professor für Chemische Verfahrenstechnik und Geschäftsführer der Umweltschutzagentur EPEA, ist mit der undifferenzierten Verwendung des Begriffes Upcycling nicht einverstanden: “Die Landschaft zur Deponie zu machen, indem ich Müll irgendwo anders hindrapiere, hat mit Upcycling nichts zu tun. Wenn ich das Falsche perfekt mache, wird es nur perfekt falsch.” (Berliner Zeitung, 29.12.2010) Upcycling bedeutet für ihn, dass das Produkt von Anfang an so gestaltet wird, dass es später in einer höheren Qualität wieder eingesetzt werden kann. Es geht in seinem Ansatz vielmehr darum, den Verschleiß wie bei Schuhsohlen, Bremsbelägen, Autoreifen oder Waschmittel so zu gestalten, dass er für die Biosphäre „nützlich” ist: „Nehmen Sie beispielsweise einen Kassenbon oder ein Parkticket – Produkte, die Sie täglich anfassen. Nur: Sie sind nicht für den Hautkontakt gemacht. Nicht einmal der Euro ist für den Hautkontakt wirklich geeignet, er gibt 200 Mal mehr Nickel ab als es legal in jedem anderen Produkt möglich wäre. Das gleiche gilt sogar für Toilettenpapier.” (LahnDill Wirtschaft 02/2014) Die nächste Nutzung muss immer eine höherwertigere sein als die vorhergegangene. Das ist für ihn wahres Upcycling, das zur Vervollkommnung unseres Lebensstils beiträgt. Dabei soll die Intelligenz, die in einem Produkt steckt, in der nächsten Verwertungsstufe mindestens erhalten bleiben oder sich erhöhen.

Dazu ein Beispiel (ebd.): „Nehmen Sie eine Wasserflasche aus Kunststoff, also aus PET. Der Kunststoff enthält das Schwermetall Antimon, das als stark krebserregend gilt. Die Coca-Cola in diesen Flaschen enthält deutlich mehr Antimon als unser Trinkwasser. Beim Recycling aber lässt sich das Antimon auswaschen. Die nächste Generation der PET-Flaschen ist höherwertiger. Ich nenne das “Upcycling”. Das Produkt gewinnt an Wert.” Wenn aus einer PET-Flasche eine Fleece-Jacke gemacht wird, ist das für ihn kein Upcycling: „Aus der Materialperspektive verlässt dieser Kunststoff den Nahrungsmittelbereich. Plastik, das vielleicht Antimon enthält, kommt nun mit menschlicher Haut in Kontakt, Farbstoffe, Fixier- und Spülmittel kommen hinzu.” Erhält die Fleece-Jacke zudem einen Reißverschluss aus Nylon und Druckknöpfe aus Metall, kann das Material kaum noch recycelt werden, denn es ist mit diesen oder anderen Dingen „kontaminiert”. Vielmehr könnte der saubere Fleece mit Polyester-Knöpfen ausgestattet und mit Polyester-Fäden bestickt und zusammengenäht werden, „was dann ein Recyceln als Monomaterial möglich machen könnte.” Er ist davon überzeugt, dass sich Upcycling rechnet – allein schon, weil auf das das teure Abfallmanagement verzichtet werden kann.

Sein aktuelles Buch „Intelligente Verschwendung. The Upcycle: Auf dem Weg in eine neue Überflussgesellschaft” (mit William McDonough, 2013) entwirft das Big Picture, auch wenn wir im Kleinen handeln müssen. Viele Ansätze sind noch nicht perfekt, und der Begriff Upcycling verliert zuweilen an Kontur – doch was bleibt und alle verbindet, ist der Wunsch, etwas zu hinterlassen, das besser ist als das, was vorgefunden wurde. Wer repariert oder upcycelt, bewahrt Erinnerungen, baut sie um, schafft Sinn und trägt mit seiner handwerklichen Intelligenz zu einer begreifbaren Welt bei.”

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/heilmittel-in-entfremdete_b_5144833.html

 

Taschen aus Kaffeebohnentüten

Rething aus Wiesbaden entwickelt aus Fast-Abfall spannende Image-Produkte für Firmen und Organisationen.  Damit schafft das engagierte Projekt rund um Anke Trischler eine hochwertige Upcycling-Wertschöpfungskette, mit der die Unternehmen zudem noch werben können: ein WIN-WIN-WIN Situation. Und zusätzlich tun die Kunden von Rething nicht nur etwas Gutes für die Umwelt – Rething engagiert sich auch sozial. Von jedem Auftrags-Euro (netto) spendet das Projekt an soziale Initiativen.

Ausgangsmaterialien für die Kundenbindungs- und Werbeprodukte sind Wertstoffe wie Kaffeebohnentüten, Werbeflaggen und andere (Verpackungs-) Materialien.

kaffeebohnen tasche

Aus alten Anschnallgurten werden neue Kameragurte

Grünografie aus Ingolstadt fertigt aus alten Autoanschnallgurten neue Kameragurte. Diese sehen nicht nur super aus, sondern schaffen einen echten Mehrwert durch das innovative Tragesystem. Außerdem ist das Material so robust, dass der Gurt im Notfall sogar den Fotografen tragen würde bevor er kaputt geht.

Dazu Grünografie-Gründer Kilian Lenz: “So gut wie alles an unserem Produkt beginnt ein 2. Leben: zuerst der Gurt samt Anschnaller, die aus alten Landkarten genähte Verpackung, der Gummi, welcher den Gurt in der Verpackung zusammenhält, und auch die Gummiringe zum Schutz der Kamera haben schon viele hundert Kilometer als Fahrradschlauch zurückgelegt. Für die Auswahl unserer Partnerunternehmen gilt natürlich das gleiche, es handelt sich ausschließlich um kleine mittelständische Betriebe bzw. Lebenshilfe Werkstätten die alle komplett in Deutschland produzieren. Unser Umweltschutgedanke geht so weit, dass diese Website, die Sie gerade lesen, CO2-neutral gehostet ist und alle unsere Sendungen CO2 neutral mit der Post versendet werden. Die Motivation lag in der Sache. Aus dem recycelten Gurt wurde dann das ganze grüne Konzept. Davon abgesehen bin ich der festen Überzeugung, dass es anders nicht mehr weiter gehen wird.”

gruenografie

Meine Tasche war auf Weltmeeren unterwegs!

Seit 10 Jahren produziert canvasco Taschen aus robustem Segeltuch – wobei vor allem der Gedanke an Upcycling und Recycling den Labelinhaber Jan-Marc Stührmann inspiriert. Zudem sind Stührmann zukunftsweisende Designvariationen und individuelles Arrangement wichtig.

Jede einzelne Tasche steht für sich und bildet ein eigenständiges Unikat. Um den hohen Qualitätsstandard zu halten, werden die Taschen aus recyceltem Segeltuch ausschliesslich in Deutschland gefertigt. Alle Taschen sind waschbar und der breite Gurt stammt aus dem Hafenbereich (jeder Streifen steht für eine Tonne Traglast).
Die Idee zur Verwendung ausgedienter Segel für Taschen entstand im Rahmen eines Projektes für eine Seglerzeitung. Jan-Marc Stührmann freut sich, dass er mit seinem Label ressourcenschonend produziert und alten Segeln ein neues Leben einhaucht:  “Wir müssen unsere Kunden davon überzeugen, dass Gebrauchsspuren der Segel keinen Qualitätsmangel darstellen, sondern im Gegenteil sogar den Charme der Taschen ausmachen. Schliesslich waren diese auf den Weltmeeren unterwegs und haben sich dem Wind entgegengestellt und das hinterlässt nunmal Spuren.”

Mehr Infos zu canvasco

canvasco

 

 

Upcycling – das Markenzeichen des 21. Jahrhunderts

Recycling ist gut, Upcycling ist besser! Beim Upcycling wird Abfall als Material für die Schaffung neuer Produkte verwendet und im Gegensatz zu Recycling ist ein geringerer Energieaufwand nötig, um Neues zu schaffen. Wie das aussehen kann, zeigt die größte deutschsprachige Suchmaschine für Upcycling. Im Interview mit DAD-online spricht Christoff Wiethoff, Geschäftsführer von nobrands GmbH, über das Konzept des Portals und weitere spannende, nachhaltige Projekte.

Herr Wiethoff, wie ist die Idee zu nobrands.de entstanden?

Die Idee zu nobrands.de entstand bereits im Jahre 2006, als ich unterwegs in Afrika war. Im Sudan fiel mir auf, dass dort keinerlei Müll auf der Straße liegt, sondern alles wiederverwertet wurde. Zurück in Deutschland recherchierte ich, welche Alternativen es zur klassischen

Mülltrennung beziehungsweise zum Recycling gibt und stieß dann zum ersten Mal auf den Begriff „Upcycling”. Im Internet und im Buchhandel fand ich viele Anregungen zu den Themen Upcycling, Recycling, Green Business und Nachhaltigkeit. Als ich dann selbst bewusster einkaufen wollte, stellte ich fest, dass es zwar bereits die ersten Bio-Supermärkte gab – aber ich fand 2006 keine Möglichkeit, mich über Upcycling-Taschen, nachhaltige Mode oder „grüne“ Accessoires zu informieren – weder im Internet, noch im stationären Handel. Und so entstand die Idee zu nobrands: eine Produkt-Suchmaschine, die als vertikales Online-Portal der Orientierung und Evaluierung up-/re- cycelter Produkte dient. Der eigentliche Kaufprozess findet nicht auf nobrands.de, sondern auf der Internetseite des jeweiligen Anbieters statt.

Wie haben Sie Ihre Idee bei den Herstellern und Designern etabliert? Oder sind diese eher an Sie herangetreten?

nobrands.de ist Ende 2010 an den Start gegangen, dass heißt von der ersten Idee bis zur Umsetzung sind rund vier Jahre Zeit vergangen. Zu Beginn habe ich Unternehmen im In- und Ausland angesprochen, zum Beispiel Feuerwear aus Köln oder Ecoist aus Miami. Heute schlagen die Besucher der nobrands Plattform nachhaltige Unternehmen vor – und zwar über die „ich empfehle“- Box auf der Homepage. Nach interner Prüfung werden dann die Unternehmen seitens nobrands.de angeschrieben. Heute befinden sich knapp 500 Firmen bzw. Designer auf nobrands.

Wer nutzt nobrands.de?

Das Internetportal wird von eco-bewussten Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt. Aktuell kommen mehrere tausend Benutzer monatlich auf die Plattform. Pro Jahr kommen rund 200.000 Besucher auf die nobrands Plattform, um sich über Upcycling Brands und professionelle Upcycling Produkte zu informieren.

Ist nobrands.de ausschließlich für den Endverbraucher oder vielleicht auch für den stationären Handel interessant?

nobrands.de adressiert und informiert den umweltbewussten Endverbraucher. Auf der Plattform finden sich bereits auch die ersten Ladengeschäfte wie Reciclage in Alzenau, Das Zwischenstück in Berlin oder Tragware in Karlsruhe. Häufig ist es für Konsumenten wichtig, vor dem Kauf haptisch in Kontakt mit den Produkten zu kommen. Von daher ist der stationäre Handel auf nobrands.de willkommen!

Was planen Sie in Zukunft mit und für nobrands.de?

Geplant ist, dass bis Ende 2015 mehr als 6.000 Unternehmen und Designer auf nobrands.de vertreten sind und jährlich 1.000.000 Menschen die Online Plattform als Informationsmedium nutzen. Auf diesem Wege möchte nobrands den jungen und aufstrebenden Labels helfen, ökonomisch zu wachsen. Mein persönliches Ziel ist es, das Thema Upcycling im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen. Upcycling Produkte reflektieren zwei wichtige Trends unserer Zeit: Umweltverantwortung und Individualität. Dadurch, dass Upcycling aus Altprodukten entsteht, sind alle Stücke einzigartig und unterstreichen so die Individualität der Träger. Upcycling ist somit das Markenzeichen des 21. Jahrhundert. nobrands.de trägt auch dazu bei, dass täglich mehr und mehr Menschen auf Upcycling setzen. Daher betreibe ich neben dem nobrands Portal noch den Upcyclingbog sowie eine upcycling, trashcycling, recycling Gruppe auf Facebook.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg, Herr Wiethoff!

Kreative Upcycling Taschen

Die Designerin Astrid Jansen ist mit ihrem Label “playbag” seit 2001 unterwegs. Dabei steht das Thema Upcycling Design mit Schwerpunkt auf Taschen und Accessoires im Vordergrund. Für Astrid Jansen ist es wichtig, einerseits eine facettenreiche Produktpalette anzubieten – andererseits kundenspezifische Produktlösungen umzusetzen.

Bei playbag kommt ausschliesslich wiederverwertbares Material zum Einsatz, wie Schwimmflügel, Fahrradschlauch, etc. Astrid Jansen wurde für ihre nachhaltige Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem “Umweltpreis für Mode und Gesundheit” und mit dem “Innovationspreis für die Mode der Zukunft”.

mehr Infos: playbag 

playbag product

Upcyclingschmuck aus Nepal

Studio JUX besticht durch minimalistisches Design. Der Schmuck hat wie die Mode immer einen kleinen Twist, weil die Designer mit hellen Farben und mit überraschenden Formen spielen. Nachhaltigkeit trifft hier auf innovatives Design. Hinter dem holländischen Label stehen die Designerin Jitske Lundgren und die Kommunikationswissenschaftlerin Carlien Helmink.

JUX ist Umwelt freundlich, nachhaltig und ökologisch – bei der Produktion wie auch beim Bio-Mittagessen und bei der Entscheidung für Ökostrom. Studio JUX verwenden nur umweltverträgliche Materialien für die Schmuck Produktion. Die Designerin Jitske Lundgren lebt in Kathmandu (Nepal), wo sie Studio JUX zusammen mit einer Nepalesin verwaltet. Jitske und das ganze Team ist stolz, Ihnen die JUX-Kollektion aus dem Himalaya präsentieren zu dürfen!

Hier gibt es mehr Infos zu Studio JUX

 

StudioJUX

So wird aus Plastikmüll ein Blumentopf: Plastik-Recycling

von Lars Petersen | von BZ News aus Berlin
Rund 130.000 Tonnen Plastikabfall werden jährlich in Berlin produziert. Aus der Gelben Tonne zum roten Blumentopf.

Joghurtbecher, Saftkartons, Salami-Packungen: Jeden Tag schmeißen die Berliner mehr als 350 Tonnen Plastikmüll weg.
Wo für uns der Genuss von Wurst, Käse und Co. endet, beginnt für Recyclingunternehmen ein Milliardengeschäft – und für die Verpackungen ein neues Leben.
Jörg Bartz (57) und Bernd Hoffmann (54) fangen früh um 6 Uhr ihre Schicht an. Die beiden Alba-Mitarbeiter entsorgen mit ihrem Fahrzeug Gelbe Tonnen und Säcke in einem Mahlsdorfer Wohngebiet. „Bis abends werden wir etwa sechs Kilometer gelaufen und 4000 bis 5000 Säcke ins Fahrzeug geworfen haben“, sagt Hoffmann. Die beiden fahren seit sechs Jahren zusammen, sind zwei von insgesamt rund 9000 Mitarbeitern von Alba, dem Unternehmen, das für die Entsorgung des Plastikmülls in Berlin zuständig ist.

Mehr als 100.000 Gelbe Tonnen stehen in der Stadt. Ab 2013 werden sie durch die neue Wertstofftonne ersetzt. Auch gelb, dürfen dann aber nicht nur Verpackungen, sondern jegliches Plastik und Metall reingeworfen werden. Längst ist der Müll nicht bloß Abfall, sondern eine wichtige Rohstoffquelle für die Industrie. Mit dem Recycling macht allein Alba jährlich einen Umsatz von gut 3,2 Milliarden Euro. Doch was genau passiert mit dem Müll? Die B.Z. hat den Weg verfolgt: Angefangen von der heimischen Mülltonne 550 Kilometer weit bis nach Polen, wo ein Unternehmen in einer Kleinstadt aus dem Berliner Plastikmüll unterschiedliche Blumentöpfe für Baumärkte herstellt.

Aber lesen Sie selbst, wie aus einer roten Trinkflasche ein terrakottafarbener Blumentopf entstanden ist…
1. Täglich werden irgendwo in Berlin Gelbe Tonnen geleert. Stadtweit gibt es mehr als 100.000 von ihnen
2. Der Müll landet im Aufbereitungszentrum in Hellersdorf. Täglich laden die Fahrzeuge rund 350 Tonnen ab
3. In der Sortieranlage wird der Abfall automatisch nach den verschiedenen Plastikarten getrennt
4. Dazu läuft der Müll durch eine Art Riesen-Schleuder, Magnetbänder und Geräte, die die Sorte anhand von Lichtreflexionen erkennen
5. Im Leitstand überwacht Schichtleiter Andreas Gall (48) den Prozess. Die Anlage läuft jeden Tag rund um die Uhr, außer sonntags
6. Am Ende werden die Plastikarten getrennt voneinander zu Paketen zusammengepresst. Auf diesem Bild Polypropylen (PP), härteres Plastik
7. Die Pakete gehen an Abnehmer aus Deutschland oder dem Ausland. Unser Paket fährt weiter nach Eisenhüttenstadt in Brandenburg
8. In dem Alba-Werk wird das Plastik gewaschen, dann entsteht Granulat (1000 Euro/Tonne). 30 Prozent gehen in den Export, etwa nach Polen
9. Werksleiter Andreas Mellen (40) zeigt das fertige Produkt. Auf Wunsch wird das naturgemäß graue Granulat im Werk verschiedentlich eingefärbt
10. 550 Kilometer von Berlin entfernt, bei Kattowitz (Polen): Hier reichern Mitarbeiter von Interplast das terrakottafarbene Granulat mit Chemikalien an
11. Firmen-Chef Jacek Przybysz zeigt die fertigen Blumentöpfe. Insgesamt entstehen hier 140 verschiedene Modelle, die auch in Berliner Baumärkten wiederzufinden sind

Und hier geht es zum Artikel:
http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/so-wird-aus-plastikmuell-ein-blumentopf-article1572700.html

GCB – traumhafte Designs mit lebendigen Formen

Gayle C. Baker gilt als San Diego’s führende Designerin in Sachen Eco-Schmuck.Ausgebildet am Gemological Institute of America in Bildhauerei und Design ist Gayle seit 2001 als akkreditierte Schmuckdesignerin aktiv. Mit ihrem Schmuck möchte Gayle einen Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt beitragen – inspiriert ist sie von der Idee, keine weiteren Ressourcen mehr dem Planeten Erde zu entnehmen.Gayle verwendet ausschliesslich antike Diamanten und aufgearbeitetes Gold & Silber. Unter dem Label GCB macht die Designerin Recycling zu einer Kunst: alle Stücke werden von Künstlern in Süd-Kalifornien per Hand gefertigt. Gayle hat die Gabe traumhafte Designs mit lebendigen Formen zu kombinieren. Das Ergebnis ist ein wunderbares Vintage-Design, das dem Wunsch nach verantwortungsvollen und umweltverträglichem Schmuck gerecht wird – zum Nutzen unseres Planeten.

GCB verfolgt das Ziel, tragbare Kunst zu schaffen und gleichzeitig dabei der Erde so wenig Schaden wie möglich zuzufügen. Zudem geht es Gayle darum, der Weltgemeinschaft etwas zurückzugeben, so dass auch andere am Erfolg teilhaben können. Zu diesem Zweck werden alle GCB Schmuckstücke aus recycelten Sterling Silber oder Gold produziert. Alle Produkte werden in recyceltem Kartons verpackt, und alles Packpapier, Füllmittel und Grusskarten stammen aus recycelten Materialien.

Fotonachweis: www.gcbdesigns.com