Upcyclingidol Nr. 7: LANNI VON (RE)

„Du musst eine Menge Glauben und Vertrauen in Dich selbst haben, um eine neue Nachricht in ein altes System zu bringen.“

Und genau das ist es, was die junge Designerin Lanni von (RE) aus Los Angeles (LA) mitbringt.
Zu Beginn ihrer Design-Karriere flog sie sogar nach Europa, „weil dort schon Upcycling Marken im Umlauf waren.” Sie hielt Vorträge und veranstaltete Modeschauen über und mit Upcycling Mode von Japan bis zum ländlichen Wisconsin. „Und die Leute hören gerne davon, wie man alte Kleidung wieder in neue Kleidung umwandeln kann. Wir sind EINE globale Gemeinschaft und tief in unserem Innersten, wollen wir alle ein besseres Leben und eine bessere Art und Weise, Dinge zu tun. ”

Als die junge Frau nach LA zog, tat sie dies aus einem bestimmten Grund: Upcycling Mode in die Mainstream Medien und auf dem roten Teppich zu bringen.

„Im Upcycling gibt es zwei Kategorien; Vor-Konsumenten ‘Abfall’ und Nach-Konsumenten ‘Abfall’“, erklärte sie:
„Auf der einen Hand, bestehen Vor-Konsumenten ‘Abfälle’, aus den Stoffen, die bei der Kleidungsproduktion übrig bleiben, beschädigt sind oder aussortiert werden, bevor sie den Markt überhaupt erreichen. Dies ist ein riesiger Vorteil für Upcycling Designer, die hierbei ausgezeichnete Stoffe zu Rabattpreisen erschwingen können. Darüber hinaus ermöglicht dies den Herstellern auch eine neuartige Geldquelle für ihre Reststoff-Abfälle. Dabei sind die eigentlichen Gewinner bei dieser Sache unsere Mülldeponien, denn durch diesen Prozess können 90% der Textilien wiederverwendet werden. Für uns Upcycler ist davon natürlich nichts Abfall, denn das ist unser Material für unsere Kreationen.”, so Lanni weiter
Auf der anderen Hand, verrät uns Lanni, arbeitet sie hauptsächlich mit Nach-Konsumenten ‘Abfall’, der aus Kleidung bestehe, die schon im Umlauf gewesen ist. Sie bezieht ihre Materialien daher aus Secondhandläden oder Antiquitätengeschäften. Für Lanni ist es die beste Inspiration, wenn sie sehen kann, was sie vor sich hat.

Es bestehe oft keine Notwendigkeit, neue Kleidung zu kaufen. Alles, was man besitze, kann wieder neu gestaltet werden. Nötig sei dafür nur die Fähigkeit, alte Kleidung wieder mit anderen Augen wahrzunehmen, so Lanni weiter, und genau das ist ihre Passion. Lanni nennt eine ihrer Aktionen „Eco-closet make overs“ – auf Deutsch gesagt, eine ökologische Schrankumwandlung.
Dabei geht die Designerin aus LA gemeinsam mit ihren Kunden durch die Kleiderschränke und sortiert die Kleidungsstücke in bestimmte Kategorien (muss geflickt werden, für den Schneider, für den Dachboden, zu spenden, zu behalten, und so weiter) – kurz – aussortieren, was man nicht mehr braucht. “Die meisten meiner Kunden sind Frauen im Alter von 39-65 Jahren, die nur ein wenig Hilfe benötigen, da sie sich mit all ihren Klamotten überfordert fühlen.“ Lanni erntet mit ihren “Eco-closet make overs” viel positives Feedback, selbst von berühmten Persönlichkeiten.

Lanni geht es darum, Mode ohne Reue zu schaffen. Ohne, dass man sich schlecht fühle, da man schon wieder zu viel ausgegeben habe oder ohne das peinlichen Gefühl, wenn man bemerkt, dass man doch zu viele Kleidungsstücke im Kleiderschrank hat, die man eh nicht trage…

Liebe Lanni, mit jemanden wie Dich an der Spitze der Upcycling Bewegung, machen wir gern einen Schritt nach vorn!

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Text: Patrizia Grünhagen
Fotos: Lanni von (RE)

Upcycling Mode - die Designerin Lanni von (RE) ist Upcyclingidol Nr. 7

Upcyclingidol Nr. 4: MARIANGELES AGUIRRE

„50 Things Kids Can Do To Save The Earth“. Dies ist der Name des Buches das jemand damals dem 12-Jährigen argentinischen Mädchen ans Herz gelegt hatte. Seite um Seite wurde sie vom Upcycling und Recycling-Thema inspiriert und hat damals schon versucht, alles mitzumachen.
Noch in Argentinien hat die junge Frau Antiquitäten und alte Sachen geliebt, denn dies sind die Sachen, die man recyceln konnte. Damals, wo es noch wenige Second Hand Läden gab, war es noch schwierig, Materialien für die eigenen Kreationen zu finden. „Kleidung in Argentinien ist teuer, wahnsinnig teuer!“ Folglich lernten sie schon zu Jugendzeiten, Second Hand Textilien nicht als „schmutzig“, sondern als einzigartig zu bezeichnen.

Vor 10 Jahren ist die erwachsene Frau nach Deutschland gekommen und war erstmal erstaunt, dass was sie damals in ihrem Buch gelesen hat, ist hier wirklich wahr: Menschen trennen Müll und recyceln Möbel, Kleidung oder Schuhe!
Heute ist sie eine erwachsene Frau (im Bild links), die mit ihrer Design-begeisterten Schwester (im Bild mit Hut) das eigene Upcyclinglabel tHERAPY ins Leben gerufen hat. Sie in Berlin und Paula in Argentinien.

Die Geschichte zu ihrem Label ist beeindruckend. Damals als sie nach Deutschland kam, fand sie die Mode langweilig. „Natürlich muss wegen des Wetters hier alles funktionell sein.“ Doch trage hier fast jeder dasselbe, was sie/er im H&M oder bei ZARA findet, so Mariángeles.

Aus einer persönlichen Krise heraus, kam ihr dann die Idee, eine kreative Tätigkeit anzufangen. Etwas, wo sie sagen konnte: „Das hier bin ich, das hier ist Mariángeles“ Sie wollte sich selbst mögen und erkennen – erzählt uns die Argentinierin rückblickend.
„Etwas mit Deinen Händen zu tun, ist heilend. Es macht Dich unabhängig von Marken und Mode-Diktaten. Ich will meine eigene Geschichte erzählen. Ich wünsche mir, dass alle das Gleiche machen könnten.“

Mariángeles persönlicher Umwelttip: “Buy less, choose well and do it yourself.”

Eine großartige Geschichte von einer tollen Upcyclingfrau, die Mut macht, an sich selbst zu glauben und etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, etwas wo man sagen kann: „Das hier, das hier bin ich.“

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Text: Patrizia Grünhagen

tHERAPY

 

°zeuiks – handgemachte Unikate aus Berlin

 

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°zeuiks, das sind handgemachte Unikate aus Berlin – eigenwillige Stickerei, partielle Verfilzung, experimenteller Siebdruck und sehr oft Wandelbares…

…für alle, die hungrig auf Zucker für den Alltag sind, mit recycelten Lieblingsstücken verschmelzen wollen und sich neugierig in die Welt von °zeuiks trauen!

Hinter dem Fashionlabel °zeuiks steht Dipl. Modedesignerin Johanna Gramann aus Berlin. Bereits 2010 hat sie sich in Berlin selbständig gemacht. Und seitdem entstehen ausschliesslich Unikate mit ganz eigenem Charakter. Dabei legt Johanna Gramann besonderen Wert auf besondere Materialien und auf Variationen.

1Upcycling Kleid

Bei der Upcycling Kollektion verarbeitet sie Relikte aus guten alten Zeiten sowie Muster und Verschnittstoffe und interpretiert diese völlig neu: Verformung, Prägung und vermeintliche Fehlstellen wie Verfärbungen, Falten, wilde Nähte sind bewußt gemacht, belassen oder ausgewählt, klar abgegrenzt von Wegwerfmentalität und Massenprodukt. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hier zum Beispiel das recycelte Lieblingsstück “relikt °zeuiks”.

°zeuiks war auch als Aussteller auf der diesjährigen Frei-Cycle Designmesse vertreten. Neben der Upcycling Kollektion hat Johanna Gramann für die modebewusste Frau weitere Kollektionen im Angebot, die vornehmlich aus feiner Merinowolle gefertigt sind. Grossartig sind ebenfalls ihre Wenderöcke, die sich bereits in 12 verschiedenen Variationen präsentieren.

 

 

 

Frei-Cycle: Aussteller Präsentation 13

Grenzenloser Dirndlspass, das verspricht das Label Lieblings Dirndl. Gudrun Richter hat ihre Faszination für die bayrische Damentracht zum Beruf gemacht – sie ist Modedesignerin oder punktgenau formuliert: Dirndl-Designerin.
Eine ihrer Kollektionen widmet sich dem Upcycling. Untern dem Namen “Wachgeküßt” finden sich aktuell 6 verschiedene Modelle, die das diesjährige Wiesn-Erlebnis NACHHALTIG verändern werden.

Denn die Dirndl haben eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen, stammen doch die Materialien aus alten Stoffen bzw. aus einer Kombination von alten und neuen Stoffen. Dazu Gudrun Richter: “Wir erwecken alte Schätze zu neuem Leben und machen ein besonderes Lieblingsstück daraus!”

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Im Idealfall ist für Lieblings Dirndl genügend Material vorhanden, um ein Dirndl ganz aus alten Stoffen zu gestalten. So ist das zarte Sommerdirndl (Foto 2) vollständig aus alten Kopfkissenbezügen und einem Paradekissen gefertigt. Futter und Unterrock waren einmal ein Betttuch, die Bluse ein Nachthemd. Das Leinen für das Bolerojäckchen stammt ebenso aus alten Wäschebeständen. Auch das freche Sommerdirndl (Foto 3) ist vollständig aus alten Stoffen gefertigt. Das Oberteil war beispielsweise einmal eine Jeans. Das dritte hier vorgestellte Dirndl (Foto 4) war dereinst eine Tischdecke; die Schürze war früher mal eine Dienstbotenschürze, der Stoff für die Bluse war mal Bettwäsche. Dieses rustikale Dirndl (Foto 5) ist eine Kombination von alten und neuen Materialien. Im Oberteil wurde eine ausgediente Lieblingsjeans verarbeitet, Bluse und Schürze waren dereinst ein Paradekissen. Das blau-weiße Karo für den Rock ist neu, ebenso der Stoff für den Unterrock, die Borte schlummerte lange Zeit unentdeckt in einer alten Wäschetruhe.

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foto2foto3foto4Lieblings Dirndl, d.h. ausgefallen, individuell, exklusiv, und
mit viel Liebe zum Detail. Und dieses Detail kann frau genau in Augenschein nehmen – auf der Frei-Cycle.

Trash Couture von reTHING

reTHING aus Wiesbaden hat ein wunderbares Booklet veröffentlicht, unter dem Titel “reTHING – Kunst trifft Kommerz”. Provokant beschreibt die erste Seite des Folders, worum es geht: “Trash Couture…und wozu? Wir wollen erheitern, den Blick ändern. Das geht über die Nutzung von Altbekanntem. Wir machen keine Mode. Wir machen bewußt. Unsere Botschaft: Hinschauen und neu denken.”

Und hier geht es direkt zum reTHING folder.

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Substantielles Minimum aus Berlin

“Die heimliche Befreiung der Kleider”:

SUBSTANTIELLES MINIMUM macht Mode aus verlassenen Kleidern.

Die sorgten sich schon lange um ihr Überleben:

“Das Kostüm im 80er Jahre-Stil lag schon ganz hinten im Kleiderschrank und das war kein gutes Zeichen.

Bald würde es wie all die anderen vor ihm spurlos verschwinden. Eines Tages würde es passieren.

Es sah schon die unsägliche riesige Tüte da liegen.

Keine Ahnung was danach kommen würde. Es müsste die andern überzeugen mitzumachen.

Sie hatten nur diese kleine Chance.

Sie mussten sich zusammentun.

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Für die Kollektion werden nur Altkleider und ausrangierte Wohntextilien verwendet.

Für den Regenumhang RENG, der aus den Planen kaputter Regenschirme besteht, wird die Stadt an regnerischen stürmischen Tagen wachsamen Auges durchfahren und eventuelle Fundstücke werden aufgesammelt und gehäutet.

Alle Teile werden im Atelier in Berlin entworfen und genäht und in selbstgemachten Kartons CO2-neutral versendet.

Mehr Infos zu Substantielles Minimum

 

 

Kamaeleon: Upcycling und Recycling Mode für Kinder

Kamaeleon aus Österreich will keine Langeweile, sondern Spaß. Und das Team rund um Brigitte Wagner übernimmt Verantwortung für das, was sie tun. Dazu die Label-Gründerin: “Wir entwerfen witzige Lieblingsstücke aus gebrauchten Männerhemden und Recycling-Fleece Stoffen. Wir machen nicht nur Kleidung, wir machen Spielzeug zum Anziehen. Bei uns gehen Papas Hemden in die zweite Runde und aus PET Flaschen wird ein kuscheliges Lieblingsstück. Und wir vergeben unsere Nähaufträge an Menschen, die sich mit unserer Unterstützung eine Zukunft aufbauen können. Wir lieben Verwandlung. Wir tragen eine große Verantwortung für die Auswirkungen, die unsere Produkte auf Menschen und Umwelt haben. Deshalb setzen wir auf nachhaltige Materialien und soziales Handeln.”

Upcycling und Recycling spart Energie, verringert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und reduziert den Müllberg. Für Kamaeleon ist Upcycling auch ein spannender kreativer Prozess, der sich in der Lebendigkeit des Kamaeleon Designs widerspiegelt. Kamaeleon ist nachhaltig, sozial handelnd und unique in seiner Kreativität. Diese drei Punkte sind Antriebsfeder und Motivation des Kindermode-Labels.

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Fantastisches Upcycling

Kat O’Sullivan stellt unter dem Label KatWise verrückte Kapuzenpullover und Jacken aus gebrauchten Pullovern (upcycling) her. Jedes Stück ist einzigartig. Zudem bietet die innovative Designerin aus Brooklyn ein Lehrbuch an, so dass man mit etwas Geschick selbst ähnliche Kleidung herstellen kann. Kat O’Sullivan: “Ich habe es schon immer so empfunden, dass der Einsatz von Recycling Materialien deutlich mehr Seele in die Kreation bringt. Ich hatte nie wirkliches Interesse mit neuen Stoffen zu arbeiten.”

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Upcycling – ein alter Hut und ein exklusives Gewand

Upcycling wird in den Medien häufig als neuer Trend vorgestellt. Doch bereits vor 2600 Jahren gab es einen Upcycler namens Gautama Buddha, auch bekannt als der historische Buddha Shakyamuni.

Das „Kesa“ – das traditionelle, buddhistische Gewand – wird häufig auch das „Gewand der Befreiung“ bezeichnet. Buddha Shakyamuni fertigte seine erste Kesa aus weggeworfenen Leinen an. Das heisst, das exklusivste und wertvollste Gewand einer ganzen Weltreligion entstammte aus einem kreativen Upcycling Prozess!

Der bekannte ZEN-Meister Dogen schrieb vor rund 800 Jahren in seinem Haupt-Werk Shobogenzo dazu: „Das reinste Material für das Kesa sind weggeworfene Stoffe. Ihre guten Eigenschaften werden überall in den Sutren, Goten und Kommentaren beschrieben…Alle Buddhas der drei Zeiten haben diese Stoffe gepriesen und verwertet.“

Upcycling ist somit seit 2600 Jahren etwas Exklusives und Wertvolles, und so sollten wir es auch heute verstehen. Upcycling zeigt eine Abkehr von der Massenproduktion und stellte das Individuelle, das Einzigartige in den Vordergrund. Upcycling Produkte und Upcycling Ideen sind so individuell wie jeder Einzelne von uns.

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Upcycling Mode Label MILCH mit Designerin Baumgartner im Portrait

Das Wiener Modelabel MILCH fügt dem bestehenden Wäscheberg nicht noch mehr hinzu, sondern fertigt lokal und fair aus bereits getragenen Herren-Anzügen und Herrenhemden.

Die Designerin hinter dem Label, Cloed Priscilla Baumgartner, betreibt in Wien das Mode Label MILCH.

MILCH arbeitet seit 10 Jahren als Pionierin in Sachen „eco fashion“. MILCH wirft keine Kollektionen auf den Markt, die sich dem Jahresverlauf unterwerfen; vielmehr handelt MILCH nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit und der Ressourcenschonung. Ausgemusterte Ware wird durch Upcycling in anderem Kontext wieder verwendbar gemacht, wie etwa bei der Aneignung (Appropriation) des klassischen Männeranzugs, dessen Verfremdung zu Hosen- und Hemdkleidern auch als Genderverwirrspiel verstanden werden kann. So werden Herrenhemden, Herrenanzugshosen dekonstruiert und ständig neu kombiniert, zerschnitten und verstrickt, gedreht und gewendet. Daraus entstehen laufend neue Modelle.

Hier findet sich ein 9 min Video zur engagierten Designerin, die auch seit einiger Zeit auf unserer Upcyclingbrands Plattform zu finden ist.

Hier geht es direkt zum Video. Bitte auf den Link klicken.

Das Video beschreibt die Arbeit von Cloed Priscilla Baumgartner und motiviert zur Nachahmung. Es wurde von Forum Umweltbildung Wien produziert und auf YouTube einer breiten Öffentlichkeit zur Vefügung gestellt. Upcyclingblog hält keinerlei Rechte an diesem Video. Alle Urheberrechte stehen bei Forum Umweltbildung Wien und dem Model Label MILCH.