Upcyclingidol Nr. 10: NADIA BACCHI

Nadia Bacchi – Inhaberin und Gründerin von RECICLA JEANS in Brasilien

„Durch das Wiederverwenden von Jeans-Stoffen versuchen wir der Gesellschaft ein Bewusstsein für umweltverträgliches Handeln zu vermitteln. Jeans ist einerseits das am häufigsten verwendete Textil, andererseits gilt dieser Kleidungsstoff als einer der resistentesten der Welt. Doch dies ist teuer erkauft: Jeans ist auch das Textil, das aufgrund des chemischen Herstellungsprozesses, die Umwelt am meisten belastet. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, Jeans zu recyceln bzw. zu upcyceln!“

Beseelt mit dem tiefen Wunsch, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten und dem Traum, die Welt nachhaltiger zu gestalten, startete Nadja gemeinsam mit anderen Frau das non-for-profit Projekt “RECICLA JEANS”.
RECICLA JEANS möchte eine Chance für die Benachteiligten, für die Armen in der Gemeinde, bieten. “Wir sind für die Menschen da, die offen sind, und bereit sind, etwas Neues zu lernen”, so  die brasilianische Upcycling Aktivistin. Das benötigte Jeansmaterial kommt von Privatpersonen wie von Firmen: nicht mehr Gebrauchtes, Restbestände, und sogar Überbleibsel aus den Qualitätstests regionalen Textilfabriken.

Nadia selbst ist berührt von dem positiven Feedback, dass sie und ihr Projekt erfährt: „Die Leute sind von den Produkten, die wir designen und von deren Schönheit begeistert.“ Über die Jahre hinweg schloss sie viele Freundschaften zu anderen umweltbewussten Designern. Einer von ihnen ist Alexandre Herchcovitch. “Wir haben 2 Jahre zusammengearbeitet, und setzten ein Recycling-Projekt um. Hierfür haben wir von Privatpersonen Alt-Kleidung gesammelt haben, re-designed und schliesslich der Öffentlichkeit  in der Morumbi-Shopping-Mall (einem Einkaufszentrum in der Nähe unserer Organisation) präsentiert. Die Spender konnten dann ihre alte Kleidung im neuen Look nach dem Upcycling Prozess in der Mall bestaunen. Während der ganzen Aktion haben unsere Näherinnen eng mit Alexandre zusammengearbeitet und haben beeindruckende Kunstwerke gezaubert.”

Nadia‘s Upcycling Botschaft erweckte bereits internationale Aufmerksamkeit. Einige RECICLA JEANS Modelle findet man beispielsweise im Restaurant “Cabana Brazilian Barbecue” in London. Der Restaurantbesitzer hatte bei einem seiner Aufenthalte in Brasilien die Produktkreationen entdeckt und war sofort begeistert. Der erste Auftrag war ein Couchüberwurf – und der neue Couch-look begeisterte auch das Londoner Publikum. Seitdem sind weitere Veränderungen im Lokal durch kreative Upcycling Jeans-Ideen hinzugekommen.

Nadia geht es um die Umwelt wie um die Menschen: “Was wir brauchen, ist ein Weg, um unsere Produkte und Projekte bekannt zu machen.”

Du kannst Nadia dabei unterstützen, internationales Bewusstsein fürs Jeans Upcycling zu erwecken, für die Erhaltung der Umwelt zu sorgen, und sehr wichtig, den Armen zu helfen.

Facebook: http://buff.ly/1xFMgLU
Couch des “Cabana brasilianischen Barbecue”: http://buff.ly/1uzAuBV

Fotos: Nadia Bacchi
Text: Patrizia Grünhagen

nadia Bacchi

Upcyclingidol Nr. 7: LANNI VON (RE)

„Du musst eine Menge Glauben und Vertrauen in Dich selbst haben, um eine neue Nachricht in ein altes System zu bringen.“

Und genau das ist es, was die junge Designerin Lanni von (RE) aus Los Angeles (LA) mitbringt.
Zu Beginn ihrer Design-Karriere flog sie sogar nach Europa, „weil dort schon Upcycling Marken im Umlauf waren.” Sie hielt Vorträge und veranstaltete Modeschauen über und mit Upcycling Mode von Japan bis zum ländlichen Wisconsin. „Und die Leute hören gerne davon, wie man alte Kleidung wieder in neue Kleidung umwandeln kann. Wir sind EINE globale Gemeinschaft und tief in unserem Innersten, wollen wir alle ein besseres Leben und eine bessere Art und Weise, Dinge zu tun. ”

Als die junge Frau nach LA zog, tat sie dies aus einem bestimmten Grund: Upcycling Mode in die Mainstream Medien und auf dem roten Teppich zu bringen.

„Im Upcycling gibt es zwei Kategorien; Vor-Konsumenten ‘Abfall’ und Nach-Konsumenten ‘Abfall’“, erklärte sie:
„Auf der einen Hand, bestehen Vor-Konsumenten ‘Abfälle’, aus den Stoffen, die bei der Kleidungsproduktion übrig bleiben, beschädigt sind oder aussortiert werden, bevor sie den Markt überhaupt erreichen. Dies ist ein riesiger Vorteil für Upcycling Designer, die hierbei ausgezeichnete Stoffe zu Rabattpreisen erschwingen können. Darüber hinaus ermöglicht dies den Herstellern auch eine neuartige Geldquelle für ihre Reststoff-Abfälle. Dabei sind die eigentlichen Gewinner bei dieser Sache unsere Mülldeponien, denn durch diesen Prozess können 90% der Textilien wiederverwendet werden. Für uns Upcycler ist davon natürlich nichts Abfall, denn das ist unser Material für unsere Kreationen.”, so Lanni weiter
Auf der anderen Hand, verrät uns Lanni, arbeitet sie hauptsächlich mit Nach-Konsumenten ‘Abfall’, der aus Kleidung bestehe, die schon im Umlauf gewesen ist. Sie bezieht ihre Materialien daher aus Secondhandläden oder Antiquitätengeschäften. Für Lanni ist es die beste Inspiration, wenn sie sehen kann, was sie vor sich hat.

Es bestehe oft keine Notwendigkeit, neue Kleidung zu kaufen. Alles, was man besitze, kann wieder neu gestaltet werden. Nötig sei dafür nur die Fähigkeit, alte Kleidung wieder mit anderen Augen wahrzunehmen, so Lanni weiter, und genau das ist ihre Passion. Lanni nennt eine ihrer Aktionen „Eco-closet make overs“ – auf Deutsch gesagt, eine ökologische Schrankumwandlung.
Dabei geht die Designerin aus LA gemeinsam mit ihren Kunden durch die Kleiderschränke und sortiert die Kleidungsstücke in bestimmte Kategorien (muss geflickt werden, für den Schneider, für den Dachboden, zu spenden, zu behalten, und so weiter) – kurz – aussortieren, was man nicht mehr braucht. “Die meisten meiner Kunden sind Frauen im Alter von 39-65 Jahren, die nur ein wenig Hilfe benötigen, da sie sich mit all ihren Klamotten überfordert fühlen.“ Lanni erntet mit ihren “Eco-closet make overs” viel positives Feedback, selbst von berühmten Persönlichkeiten.

Lanni geht es darum, Mode ohne Reue zu schaffen. Ohne, dass man sich schlecht fühle, da man schon wieder zu viel ausgegeben habe oder ohne das peinlichen Gefühl, wenn man bemerkt, dass man doch zu viele Kleidungsstücke im Kleiderschrank hat, die man eh nicht trage…

Liebe Lanni, mit jemanden wie Dich an der Spitze der Upcycling Bewegung, machen wir gern einen Schritt nach vorn!

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Text: Patrizia Grünhagen
Fotos: Lanni von (RE)

Upcycling Mode - die Designerin Lanni von (RE) ist Upcyclingidol Nr. 7

Second Hand & Upcycling Markt in Berlin (6+7.12.2014)

Aufwerten statt wegwerfen – so heisst eine Aktion der europäischen Woche zur Abfallvermeidung

Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht.“ – doch allein in Deutschland entsteht jedes Jahr ein gigantischer Müllberg von 44 Millionen Tonnen. Und er wächst von Jahr zu Jahr weiter an, trotz zahlloser Versuche, den Müll zu vermeiden. Kreative Wege zur Reduzierung des Abfalls liegen im Upcycling.

Der Second Hand & Upcycling Markt steigt am zweiten Adventwochenende in der Galeria Kaufhof am Ostbahnhof. Der Markt ist Teil der diesjährigen Europäischen Woche zur Abfallvermeidung.

Über 80 Aussteller präsentieren beim Second Hand & Upcycling Markt in der Galeria Kaufhof am Ostbahnhof eine wilde Mischung aus Vintage, Kleidung, Wohnaccessoires, Kleinmöbel, Schmuck, Kunst und vielem mehr. Das Besondere daran: Alle Waren wurden auf die eine oder andere Weise schon einmal gebraucht und sind trotzdem wie neu.

Wann: Zweites Adventswochenende
Sonnabend, 6. Dezember 2014, 11 bis 20 Uhr
Sonntag, 7. Dezember 2014, 13 bis 18 Uhr
Wo: Galeria Kaufhof am Ostbahnhof, 4. Etage, Koppenstrasse 8 – 10243 Berlin
Eintritt: 3,50 Euro

Wer kennt es nicht? Sinnlose und überflüssige Geschenke, die man mit einem schiefen Lächeln entgegennimmt, die dann in dunklen Winkeln verstauben, bevor sie ein paar Monaten später im Müll verschwinden. Auch das Weihnachtsfest hat Anteil an den über 500 Kg Müll, die jeder Deutsche pro Jahr hinterlässt. Aber damit ist jetzt Schluss.

Die neue Bewegung heißt „Upcycling“. Dabei werden gebrauchte Gegenstände kreativ aufgewertet und neue Produkte entstehen. Kurz: Aus alt mach neu! Witzige Kleider aus alten Stoffen, modischer Schmuck aus benutzten Steinen und Metallen, neue Möbel aus Dielen- und Fensterholz – auf dem Second Hand & Upcycling Markt werden lauter kreative Geschenke angeboten. Und mehr noch: Wer dabei sein und mehr über die neuesten Trends einer nachhaltigen Lebensweise erfahren will, findet hier alle Infos – von Second Hand über Fair-Trade bis Repair.

Der Aussteller Holz und Kunz ist zum Beispiel mit Holzmöbeln vertreten. Die Arbeiten bestehen fast ausschließlich aus gebrauchten Holz-Gegenständen wie alte Dielen, Dachbalken, kaputten Möbeln etc. Aus diesen Materialien wird wieder ein neuer Tisch, ein neuer Stuhl oder neuer Schrank gefertigt. Ein Möbel eben, das nicht nur einen Zweck erfüllt und ästhetisch gefällt, sondern auch auf dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft basiert. Die Philosophie dahinter: Die Herstellung ist ökologisch wie auch ökonomisch sinnvoll. Die Rohstoffe bleiben über die Lebensdauer der Ware hinaus dem Produktionsprozess erhalten. Vorbild ist der Kreislauf der Natur, um möglichst ohne Abfälle (zero waste) und ohne Emissionen (zero emission) auszukommen.

Text: oldthing – Pröhm & Schrottmeyer GbR

Upcyclingidol Nr. 4: MARIANGELES AGUIRRE

„50 Things Kids Can Do To Save The Earth“. Dies ist der Name des Buches das jemand damals dem 12-Jährigen argentinischen Mädchen ans Herz gelegt hatte. Seite um Seite wurde sie vom Upcycling und Recycling-Thema inspiriert und hat damals schon versucht, alles mitzumachen.
Noch in Argentinien hat die junge Frau Antiquitäten und alte Sachen geliebt, denn dies sind die Sachen, die man recyceln konnte. Damals, wo es noch wenige Second Hand Läden gab, war es noch schwierig, Materialien für die eigenen Kreationen zu finden. „Kleidung in Argentinien ist teuer, wahnsinnig teuer!“ Folglich lernten sie schon zu Jugendzeiten, Second Hand Textilien nicht als „schmutzig“, sondern als einzigartig zu bezeichnen.

Vor 10 Jahren ist die erwachsene Frau nach Deutschland gekommen und war erstmal erstaunt, dass was sie damals in ihrem Buch gelesen hat, ist hier wirklich wahr: Menschen trennen Müll und recyceln Möbel, Kleidung oder Schuhe!
Heute ist sie eine erwachsene Frau (im Bild links), die mit ihrer Design-begeisterten Schwester (im Bild mit Hut) das eigene Upcyclinglabel tHERAPY ins Leben gerufen hat. Sie in Berlin und Paula in Argentinien.

Die Geschichte zu ihrem Label ist beeindruckend. Damals als sie nach Deutschland kam, fand sie die Mode langweilig. „Natürlich muss wegen des Wetters hier alles funktionell sein.“ Doch trage hier fast jeder dasselbe, was sie/er im H&M oder bei ZARA findet, so Mariángeles.

Aus einer persönlichen Krise heraus, kam ihr dann die Idee, eine kreative Tätigkeit anzufangen. Etwas, wo sie sagen konnte: „Das hier bin ich, das hier ist Mariángeles“ Sie wollte sich selbst mögen und erkennen – erzählt uns die Argentinierin rückblickend.
„Etwas mit Deinen Händen zu tun, ist heilend. Es macht Dich unabhängig von Marken und Mode-Diktaten. Ich will meine eigene Geschichte erzählen. Ich wünsche mir, dass alle das Gleiche machen könnten.“

Mariángeles persönlicher Umwelttip: “Buy less, choose well and do it yourself.”

Eine großartige Geschichte von einer tollen Upcyclingfrau, die Mut macht, an sich selbst zu glauben und etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, etwas wo man sagen kann: „Das hier, das hier bin ich.“

Gibt ihr Euer Like auch auf FB: http://buff.ly/1n0lATD

Text: Patrizia Grünhagen

tHERAPY

 

Upcycling – ein alter Hut und ein exklusives Gewand

Upcycling wird in den Medien häufig als neuer Trend vorgestellt. Doch bereits vor 2600 Jahren gab es einen Upcycler namens Gautama Buddha, auch bekannt als der historische Buddha Shakyamuni.

Das „Kesa“ – das traditionelle, buddhistische Gewand – wird häufig auch das „Gewand der Befreiung“ bezeichnet. Buddha Shakyamuni fertigte seine erste Kesa aus weggeworfenen Leinen an. Das heisst, das exklusivste und wertvollste Gewand einer ganzen Weltreligion entstammte aus einem kreativen Upcycling Prozess!

Der bekannte ZEN-Meister Dogen schrieb vor rund 800 Jahren in seinem Haupt-Werk Shobogenzo dazu: „Das reinste Material für das Kesa sind weggeworfene Stoffe. Ihre guten Eigenschaften werden überall in den Sutren, Goten und Kommentaren beschrieben…Alle Buddhas der drei Zeiten haben diese Stoffe gepriesen und verwertet.“

Upcycling ist somit seit 2600 Jahren etwas Exklusives und Wertvolles, und so sollten wir es auch heute verstehen. Upcycling zeigt eine Abkehr von der Massenproduktion und stellte das Individuelle, das Einzigartige in den Vordergrund. Upcycling Produkte und Upcycling Ideen sind so individuell wie jeder Einzelne von uns.

kesa